Gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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Verfassungsänderung in Serbien

Neues Deutschland

Neues Deutschland 8./9.10.1988 Neues Deutschland 15./16.10.1988
Belgrad, 28.3.1989; Quelle: Net.Film

„Um 14.30 Uhr wurde die Demonstration mit Hilfe von Tränengas zerschlagen.“: Am 28. März 1989 nimmt das serbische Parlament die Verfassungsänderungen der (nun nicht mehr) autonomen Provinzen an.
Begleitet wird die Sitzung von gewaltigen Massenprotesten im Kosovo mit vielen Toten und Verletzten.
Der 28. März wird serbischer Nationalfeiertag. (Quelle: Net.Film)

Es beginnt die staatsrechtliche Demontage der Föderation Jugoslawien, denn verfassungsrechtlich entsteht eine widersprüchliche Situation: Zwar gelten die Provinzen in Serbien nicht mehr als stimmberechtigt, aber innerhalb des Bundes sind die Vojvodina und der Kosovo konstitutioneller Bestandteil Jugoslawiens. Im Staatspräsidium entsteht ein serbischer „Block“. Das oberste Staatsorgan ist nahezu entscheidungsunfähig.

Infografik Staatspräsidium

 

Serbischer Opfermythos / 1389 - 1989

Quelle: archive.orgAm 28. Juni 1989 wird in Gezimestan, Kosovo, dem 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) durch eine Massendemonstration gedacht. Der Missbrauch des überlieferten Kosovo-Mythos zur nationalen Mobilisierung der Massen findet seinen emotionalen Höhepunkt. Kristallisationspunkt ist die militärische Niederlage der serbischen Truppen und die Hinrichtung ihres Anführers, Fürst Lasar, durch das osmanische Reich. Damit beginnt der Untergang des mittelalterlichen serbischen Staates.

Die Schlacht und der Ort wirken identitätsstiftend, denn sie bilden die kollektive Erinnerung an den letzten Akt einer „souveränen serbischen Nation“. Es folgen jahrhundertelange türkische Fremdherrschaft und die beiden jugoslawischen Staaten.

Infografik Kosovo-Mythos

Slobodan Miloševićs: „Heute werden wir mit neuen Schlachten konfrontiert.“:
An dem Event nehmen über eine Millionen Menschen teil. Kränze werden niedergelegt. Die Kirche zelebriert einen Gottesdienst. Das Kulturprogramm reiht sich ein in die unüberschaubare Masse an künstlerischen Beiträgen, die 1989 zu diesem Anlass erscheinen.
Vom Himmel herab (mit dem Hubschrauber) kommt der neue „Messias“ Miloševićs. (Quelle: archive.org)

PDF Download: Miloševićs‘ Rede Bild: vusta/iStockphotoMiloševićs‘ Rede ist nicht die „Kampfansage“, zu der sie die westlichen Medien und Politiker später machen werden. Das kann Miloševićs anderen überlassen. Nach seinen gewonnenen „Schlachten“ (Verfassungsänderung, „antibürokratische Revolution“) schlägt er versöhnlichere Töne an.

 

Betrachtet man die historischen Fakten war das alte serbische Reich in den Jahrzehnten vor der Schlacht auf dem Amselfeld durch eigene rivalisierende Feudalfürsten schon lange vorher in der Krise. Es blieb einzig die Erinnerung an einen mittelalterlichen serbischen Staat. Diese Vergangenheit wurde in idealisierter Form durch Heldengesänge und Geschichten weitergetragen. Bestandteil der Verklärung ist die Opfermystik, wonach das eigene Leben in den Dienst der Nation gestellt wird.
Für die Gegenwart rechtfertigt diese mentale Einstellung auch einen Krieg, denn es wäre ein „gerechter Krieg“.

Der monumentale Historienfilm „Boj na Kosovu“ vom Untergang und der Auferstehung des serbischen Volkes im 14. Jahrhundert bediente sich aller künstlerischen, religiösen und historischen Klischees.

Bild aus dem Film: Der monumentale Historienfilm - Boj na Kosovu

Verfassungsänderung in Slowenien

Sechs Monate nach der Verfassungsänderung in Serbien „schützt“ sich das slowenische Parlament gegen die empfundene „Kosovisierung“ ihrer Teilrepublik ebenfalls durch die Änderung der Verfassung. Darin wird u.a. proklamiert, dass die Verhängung eines Ausnahmezustandes (wie im Kosovo) der Zustimmung der Republik Slowenien bedarf. Weiterhin wird das Recht auf nationale Selbstbestimmung festgeschrieben.
Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Veränderungen in anderen sozialistischen Ländern verzichtet der slowenische Bund der Kommunisten auf sein politisches Monopol. Es kommt 1989/90 zur Gründung oppositioneller Parteien. Das macht den Weg frei für die Mehrparteienwahlen im April 1990.

Themenblock Jugoslawien

„Sag nein!“ – Kriegsdienstverweigerung in Slowenien und der DDR

Der unterschiedliche Erfahrungshorizont bringt nur wenig Berührungspunkte zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen in Jugoslawien und der DDR. Mit der sich verschärfenden Krise in Jugoslawien in den 1980er Jahren werden Proteste in Slowenien, wo die Meinungsfreiheit noch am größten ist, immer mehr als Systemkritik interpretiert.

Der dritte Weg – Alternativen zur SED-Herrschaft

In der Sowjetischen Besatzungszone gibt es 1946 durch den führenden Kommunisten Anton Ackermann programmatische Überlegungen über einen „besonderen deutschen Weg zum Sozialismus“. Darin spricht er sich gegen eine brachiale Errichtung der „Diktatur des Proletariats“ wie in der Sowjetunion aus, denn man müsse die nationalen Gegebenheiten berücksichtigen.

Europäisches Versagen - Jugoslawische Bürgerkriege

Die Wahrnehmung des kommunistischen Jugoslawiens wird von der Brutalität des verheerenden Bürgerkriegs in den 1990er Jahren überlagert und in der kollektiven Erinnerung idealisiert. In einem Exkurs soll daher die „Explosion“ Jugoslawiens in knappen Zügen nachvollzogen werden - ist sie doch gleichzeitig ein „Lehrstück“ für mögliche Folgen fehlender europäischer Integration.


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