Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Am 15. Oktober 2019 organisierte das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „… und dann nahmen wir wieder am Leben teil.“ - Zur Geschichte und Zukunft der Verfolgtenverbände in der kommunistischen Diktatur SBZ/DDR. collage
Auf dem Podium saßen (v.l.): Jörg Siegmund M.A. (Akademie für politische Bildung Tutzing), Lutz Rathenow (Sächsischer Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur), Reinhard Bohse (Moderation), Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig (Universität Passau) und Hugo Diederich (Bundesgeschäftsführer der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, VOS)

Nach einem Impulsvortrag von Jörg Siegmund wurde über die Zukunft der Opferverbände diskutiert. Im Mittelpunkt standen mögliche neue Wege, Angebote und Strukturen, um dem drohenden „Aussterben“ entgegen zu wirken sowie deren Mitglieder besser in der Öffentlichkeit wahrnehmbar werden zu lassen. Zugleich wurde der gängige Begriff des Opfers hinterfragt und angeregt, statt dessen stärker den Mut zu betonen, sich in einer Diktatur widerständig zu verhalten. Dadurch würde die aktive Rolle der Betroffenen stärker wahrgenommen und eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung entgegengebracht.

 

Vom 16. bis 20. September 2019 fand in Leipzig das 8. Sächsische Geschichtscamp statt. Daran nahmen 60 Schüler der Klassenstufen 9 bis 13 aus Sachsen und Baden-Württemberg und ausgewählte Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. veranstaltete am 18. und 19. September für sechs Schüler den Workshop „Untergrundschriften, Piratensender, Flugblätter - Gegenöffentlichkeit in der DDR“. In diesem hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit Originalfotos und -dokumenten auseinander zu setzen und ein Zeitzeugengespräch mit Karim Saab zu führen, der in den 1980er Jahren den Samisdat „Anschlag“ veröffentlichte. Aufbauend auf die Informationen vom Mittwoch haben sich die Schüler am Donnerstag mit Piratensendern beschäftigt und so neben Samisdat und Flugblatt eine weitere Art kennengelernt, mit der die Opposition in der DDR an die Öffentlichkeit trat.

Den Abschluss des Workshops bildete die Herstellung eines eigenen Flugblattes mit Schreibmaschine und Stempelkasten sowie eines Plakates mit Pinsel, Stift und Farbe. Dadurch wurde für die Teilnehmer erlebbar, wie schwierig und vor allem zeitintensiv die Herstellung von illegalen Druckerzeugnissen in der DDR war.

Im Rahmen des diesjährigen Herbstkino (das Programm finden Sie hier) am Matthäikirchhof präsentierte das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. am 6. Oktober 2019 den Film "Das Wunder von Leipzig". Die Geschichte des Herbstes 1989 in Leipzig, erzählt von einzelnen Protagonisten, die sich stellvertretend für die vielen Namenlosen an die Überwindung der eigenen Angst, ihre Zivilcourage und ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte erinnern, berührte die Anwesenden auch 10 Jahre nach Entstehung des Filmes und annähernd 30 Jahre nach dem sogenannten "Tag der Entscheidung", dem 9. Oktober 1989 in Leipzig.

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Das Areal zwischen Dittrichring und Matthäikirchhof war bis 1989 Teil der früheren Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. Es soll zu einem "Forum für Freiheit und Bürgerrechte" weiterentwickelt werden. Das Museum "Runde Ecke" ist heute sowohl ein authentischer Ort der Geschichte von Repression und Unterdrückung in der DDR als auch der Selbstbefreiung der SED-Diktatur durch die Friedliche Revolution. Als "Forum für Freiheit und Bürgerrechte" wollen sich in dem Areal neben bereits ansässigen Einrichtungen weitere Institutionen zusammenfinden und -arbeiten. Aus dem einst einschüchternden Ort soll ein Zentrum lebendiger Demokratie und ein Ort des Austausches von Generationen zu Zeitgeschichte, Gegenwart und Zukunft werden.

 

Im Rahmen des diesjährigen Lichtfestes zum 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution beteiligte sich das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Polnischen Institut Leipzig und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig an der Gestaltung des Lichtraums Nr. 6, der im Schillerpark unter dem Motto "Für ein offenes Land mit freien Menschen" stand.

Lichtfest2019

Der von der Wiener Lichtdesignerin Victoria Coeln gestaltete Lichtraum wurde durch die Projektpartner inhaltlich aufgewertet, indem ein Kurzprogramm mit Texten und Zitaten zur Freiheit durch die Poetryslammer Josephine von Blueten Staub und Rainer Holl dargeboten wurde. Bernd Karwen und Victoria Coeln führten dialogisch durch das Kurzprogramm, welches mit einem Auftritt von Stephan Krawczyk abgeschlossen wurde. Dieser führte den Song „Mauern“ von Jacek Kaczmarski in einer eigenen Interpretation und Nachdichtung erstmals auf. Vor dem Kurzprogramm verteilten mehrere Vereinsmitglieder Aufkleber mit Freiheitszitaten u.a. aus Polen, der ČSSR und der DDR an die Besucher. An das Kurzprogramm schloss sich die Performance einer Theatergruppe zu Schwulen- und Lesben in der DDR bzw. der Bundesrepublik an.

Die Archivleiterin mit zwei Besuchern zum Tag der ArchiveAm 3. März 2018 fand der 9. Tag der Archive zum Thema "Demokratie und Bürgerrechte" auch im Archiv Bürgerbewegung Leipzig statt. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, Einblick in die Archivräume zu nehmen. Zu sehen gab es viele einmalige Dokumente aus der Zeit des Ringens um Demokratie und Bürgerrechte aus dem Leipziger Herbst 1989 und Fotos aus dem Archivbestand (Abb. links, Archivbesucher sehen sich digitalisierte Fotos der Leipziger Montagsdemonstrationen an).

 

Demokratie und Bürgerrechte am Tag der Archive Genutzt wurde daneben auch die einmalige Möglichkeit die Wanderausstellung des Archives "die ganze action hat geprägt" zur Sprengung der Leipziger  Universitätskirche vor 50 Jahren zu besichtigen. An Hand eines historischen Einzelfalles wird von den Erfahrungen einer Generation erzählt, deren Ideale und Lebenslust mit dem Machtanspruch der SED kollidierten. Das Interesse war groß und beide Ausstellungsführungen mit dem Kurator waren gut besucht. (Abb. rechts)

 

Am Mittwoch, den 19. Oktober 2016, war um 19.00 Uhr in der Kinobar Prager Frühling (Bernhard-Göring-Straße 152 in 04277 Leipzig) der Dokumentarfilm »Kopf - Herz - Tisch. Kindheit ohne Eltern« zu sehen.

Nach dem 70-minütigen Film fand ein Podiumsgespräch mit der Autorin Sonja Toepfer und dem Zeitzeugen Wolfgang Focke statt, welches Ingolf Notzke, wissenschaftlicher Referent der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau moderiert hat.

Im Mittelpunkt des Films von Sonja Toepfer stehen die Folgen repressiver Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren der Bundesrepublik. Mit einem roten Tisch und zwei Klappstühlen hat die Autorin Frauen und Männer aufgesucht und sie eingeladen, über ihre Kindheit ohne Eltern, in Säuglings-, Kinder- und Erziehungsheimen, bei gewalttätigen Pflegefamilien sowie in einer Welt, in der liebevolle Mütter und Väter abwesend waren, zu sprechen. Entstanden ist eine Interviewdokumentation mit experimenteller Dramaturgie, die besonders berührt und die Tonalität biografischer Bewältigungsstrategien sichtbar werden lässt.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und der Kinobar Prager Frühling statt und wurde unterstützt durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

Archivpublikation - Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90Am 17. Oktober 2016 wurde um 18.30 Uhr in der Nikolaikirche die Archivpublikation "Wir haben nur die Straße": Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90, welche im März erschienen ist, nochmals öffentlich präsentiert. Erstmalig werden in dieser Dokumentation auf einer beiliegenden CD bisher unbekannte Tonaufnahmen von einer SED-Parteisitzung am Vormittag des 9. Oktober 1989 im Leipziger Rathaus und der Einweisung der Genossen, die um 15 Uhr die Nikolaikirche »besetzen« sollten, veröffentlicht.

Es fand ein Podiumsgespräch mit Achim Beier, Elke Urban und Frank Pörner statt, welches Reinhard Bohse moderiert hat.

Weitere Informationen zum Buch und den Tonmitschnitten finden Sie hier (PDF Dokument | Download).

Dank des Förderprogrammes der Sächsischen Staatskanzlei zur Erinnerung an den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit und der Wiedergründung des Freistaates Sachsen wurde vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. ein multimedialer Verfassungskoffer entwickelt.Dank des Förderprogrammes der Sächsischen Staatskanzlei zur Erinnerung an den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit und der Wiedergründung des Freistaates Sachsen wurde vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. ein multimedialer "Verfassungskoffer" entwickelt. Am 27. September 2016 kam dieser erstmals im Johann-Walter-Gymnasium in Torgau im Geschichtsunterricht zum Einsatz. Thematischer Schwerpunkt dieses Schülerbildungsprojektes ist die Entstehungsgeschichte der Sächsischen Verfassung von 1989/90 bis zu ihrer Verabschiedung 1992. Der „Verfassungskoffer“ ist für 9. bis 12. Klassen an Oberschulen, Gymnasien und beruflichen Gymnasien für die Fächer Gemeinschaftskunde, Recht, Wirtschaft (GRW) sowie Geschichte geeignet und orientiert sich an den jeweiligen Lehrplänen. Im Anschluss an den Unterricht wurden Möglichkeiten erörtert, wie interessierte Lehrende an sächsischen Schulen den "Verfassungskoffer" nutzen können. Alle Interessierten melden sich bitte im Archiv Bürgerbewegung Leipzig.

www.89-90.sachsen.de

Buchpräsentaion März 2016Die neue Archivpublikation »Wir haben nur die Straße« - Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90 - wurde am 19. März 2016 um 18.00 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert.

Nach einer Einführung von Tobias Hollitzer kamen die DDR-Bürgerrechtler Jürgen Tallig und Gunther Weißgerber mit Thomas Hauf, moderiert von Reinhard Bohse, ins Gespräch.

Veranstaltungsort: Kinosaal, Museum in der Runden Ecke, Dittrichring 24, 04109 Leipzig

In Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Verlag, gefördert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

Am 1. Oktober 2015 fand im Dialogforum "Frei_Raum" auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig eine Veranstaltung zum Thema "20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien und Herzegowina" statt. Nach einem kurzen Vortrag von Herrn Michael Weichert (Honorarkonsul BiH, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Leipzig - Travnik) um 18.00 Uhr wurde der Dokumentarfilm "Waffenruhe - 20 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens" (2011, 45 min) gezeigt. Danach diskutierten Gisela Kallenbach, Michael Weichert und Azem Ejubovic (Zeitzeuge aus Bosnien und Herzegowina) über das Geschehen, die Gegenwart und die Zukunft Bosniens und Herzegowinas (Moderation: Georg Eulitz, Universität Leipzig). Den Abend beendete um 21.00 Uhr das Leipziger Trio "Rozhinkes" mit einem Klezmerkonzert.

Der Zerfall des Staates Jugoslawien seit 1991 in die sieben Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo und Mazedonien ging mit zahlreichen militärischen Konflikten, Bürgerkriegen und einem Völkermord einher. Nach der internationalen Anerkennung Bosnien und Herzegowinas im April 1992 herrschte drei Jahre Krieg zwischen serbischen, kroatischen und bosniakischen Einheiten. Die Zahl der Todesopfer des "Bosnienkrieges" wird mit 100.000 angegeben, mehr als 2 Millionen Menschen wurden vertrieben.

Srebrenica Friedhof in Potocari Kopie für HomepageDie Veranstaltung erinnerte auch an den 20. Jahrestag des Völkermords in Srebrenica. Im Zuge des Bürgerkrieges wurden im Juli 1995 in der Gegend um Srebrenica mehr als 8.000 Bosniaken – fast ausschließlich Männer und Jungen zwischen 13 und 78 Jahren – getötet.

Abb.: Srebrenica, Friedhof in Potocari

Veranstalter: Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V., Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Stiftung Friedliche Revolution

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