Die Verhaftung der Mitglieder der Punkband Namenlos aus Berlin am 11.08.1983 wurde in der Szene schnell bekannt. So kommt es in Leipzig nach einer Party in der Nacht vom 15.08. zum 16.08.1983 zu einer spontanen Solidaritätserklärung von vier Jugendlichen. Sie sprühen im Neubauviertel Grünau und schreiben "Bullenstaat", "Bürgerkrieg", "Nazis wieder in Leipzig" und "Freiheit für Jana, Mita und A-Micha". Schon am nächsten Morgen werden sie allesamt verhaftet. Am 05.11.1983 werden sie vom Gericht in Leipzig zu Gefängnisstrafen zwischen sieben und zehn Monaten verurteilt. "Ratte" und "Connie", zwei der Beteiligten, werden von ihren Intentionen, der U-Haft und wie es weiterging erzählen.
Wann: 10.10.2024, 20 Uhr
Wo: Leipzig Plagwitz, BiBaBo, Engertstraße 36 (Plagwitzer Bahnhof)
Kooperation von Archiv Bürgerbewegung Leipzig und Heldenstadt Anders e.V.
In den letzten Jahren der DDR machten mutige junge Leute aus der Oppositionsszene heimlich Videoaufnahmen über Missstände im Lande: Krankmachende Umweltverschmutzung, Städtezerfall, Uranabbau, Massentierhaltung. Sie praktizierten Pressefreiheit unter diktatorischen Bedingungen, ließen Systemkritiker zu Wort kommen, gaben der Opposition ein Gesicht. Es ging um freie Wahlen und deren Kontrolle, Pressezensur, Gängelung von Minderheiten, Nazis in der DDR oder um die Gründung des Neuen Forums und anderer unabhängiger Gruppen. Es war eine Art Fernsehen der Opposition, das über den Umweg Westfernsehen Millionen DDR-Bürger erreichen konnte.
Ermöglicht durch ein Ost-West-Netzwerk über die Grenze hinweg, was erheblich mit zum Ende der DDR beitrug, besonders durch die weltweit verbreiteten Aufnahmen der Leipziger Massendemonstration vom 9. Oktober 1989.
Peter Wensierski, damals Redakteur des ARD-Magazins KONTRASTE und selbst Beteiligter an diesem Netzwerk, hat für das ABL viele Menschen, die sich damals vor und hinter die Kameras trauten, ausfindig gemacht. Er hat sie interviewt und verschollene Aufnahmen wiederentdeckt. Peter Wensierski berichtet an diesem Abend von dem, was damals im Hintergrund geschah, was diese mutigen Menschen antrieb und wie es möglich war, trotz Stasi, jahrelang Öffentlichkeit herzustellen und Dinge zu zeigen, die nach dem Willen der DDR-Regierung niemand sehen sollte. Etliche der beeindruckenden Aufnahmen wird er beispielhaft erstmals nach Jahrzehnten auch wieder zeigen.
Peter Wensierski über das „Fernsehen der Opposition“
Podiumsgast: Belinda Cooper (USA) – Kurierin nach West-Berlin
8. Oktober 2024, 19 Uhr, Stasi-Unterlagenarchiv im Bundesarchiv, Außenstelle Leipzig, Dittrichring 24, Eintritt frei
Mit einem gemeinsamen Symposion am 15. September 2024 möchten die Archivschule Marburg und die Bundesstiftung Aufarbeitung Orte der deutschen Demokratiegeschichte einen Blick auf die Rolle der Archive in der Demokratiegeschichte werfen. Woher wissen wir eigentlich, wie sich die Demokratie in Deutschland entwickelt hat, wie sie erstritten oder aber wieder gefährdet und verloren wurde? Die Vorstellungen der Menschen, die für demokratische Freiheitsrechte gekämpft haben, ihre Diskussionen, ihre Reden, die von ihnen geforderten Rechte und ihre Handlungen lassen sich nicht nur an den Orten der Demokratiegeschichte festmachen, sondern auch an Archivalien. Diese zeigen Erfolge und Brüche, aber auch blinde Flecken der Demokratiegeschichte und sind Teil der Erinnerungskultur in der demokratischen Gesellschaft. Archive sichern zudem die Überlieferung demokratischer Institutionen und stellen sie jedermann für die Erforschung der Geschichte und zur Rechtsicherung bereit. Sie machen eine umfassende Auseinandersetzung mit demokratischen Prozessen der Vergangenheit überhaupt erst möglich.
Uwe Schwabe, Vorstandsvorsitzende des ABL, wird das Archiv Bürgerbewegung Leipzig am 15. September bei einer Podiumsdiskussion über Archive als Orte der Demokratiegeschichte vertreten.
Im August 2024 erschien das neue Buch von Ilko-Sascha Kowalczuk. Anlässlich des Gründungstages der Partei „Demokratie Jetzt“ am 12.09.1989 wollen wir gemeinsam über die Geschichte Ostdeutschland seit diesen Tagen bis heute und den Kampf um die Freiheit sprechen. Ein Kampf, dessen Ausgang bis heute richtungsweisend für die Zukunft ganz Deutschlands ist. Hauptfrage des Abends wird sein: Wieso wird die liberale Demokratie gerade dort infrage gestellt, wo die erste erfolgreiche Revolution auf deutschem Boden stattfand?
Kooperation: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Evangelische Akademie Sachsen
12. September 2024, 19 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Eintritt frei
Im ehemaligen Wohnhaus von William Zipperer, der als Kommunist aktiven Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leistete und am 12. Januar 1945 im Alter von 60 Jahren dafür in Dresden hingerichtet wurde, fand man bei Sanierungsarbeiten in der Schüttung einer Decke vor den Nazis versteckte Bücher.
Im Sommer 2024 wurden elf in Zeitungspapier eingewickelte Pakete unserem Verein übergeben. Sie bezeugen den April 1933.
Nun, 80 Jahre später, findet dieser spektakuläre Fund vom Dachboden Eingang in eine kleine Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Die kleine Präsentation ist bis Anfang Mai 2025 in der zweiten Etage der Dauerausstellung im Alten Rathaus zu sehen. Danach stehen die Bücher im Lesesaal des Museums für die Öffentlichkeit bereit.
„Ist das nicht ein großer Staat, wo jeder seine Freiheit hat?“ sang die DDR-Punkband PLANLOS in den 1980er Jahren. Am 17. Juni 2024, dem Jahrestag des DDR-Volksaufstandes, kam Sachsens Kultusminister Christian Piwarz mit Leipziger Schüler:innen der Freien Fachoberschule der Rahn Education im Archiv Bürgerbewegung Leipzig (ABL) ins Gespräch. Sie nahmen am Projekttag „Punk in der DDR“ teil und arbeiteten dabei mit der neuen digitalen Lernplattform des ABL www.dieanderejugend.de zu Jugendkulturen in der DDR und Transformationszeit.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Bildung und Kultur im öffentlichen Raum: 35 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs" in Coesfeld, Münster und Köln wird am 3. Mai 2024 in Coesfeld unsere Ausstellung zum ostmitteleuropäischen Kontext der Friedlichen Revolution "Aufbruch nach Europa" eröffnet. Sie wird bis zum 27. Mai in der Stadtbibliothek gezeigt.
Die Wanderausstellung »Unsere Zukunft hat schon begonnen« zeigt die verfehlte Umweltpolitik und die massive Zerstörung des Lebensraumes in der DDR. Vom 7. Mai bis 27. Juni 2024 wird die Ausstellung des ABL von der Evangelischen Akademie Sachsen in der Dreikönigskirche in Dresden gezeigt.
Am Beispiel der Braunkohleregion im Leipziger Südraum wird das Entstehen zivilgesellschaftlichen Engagements und Widerspruchs unter den Bedingungen der SED-Diktatur nachgezeichnet. Das CUR, das Christliche Umweltseminar Rötha, Kleinstadt im Süden von Leipzig, war eine der kraftvollsten Erfindungen christlichen Bürgermutes in der DDR. Gemeinsam mit Dresdener Umweltaktivisten gelang ein Überraschungsereignis: die größte Unterschriftensammlung in der DDR – gegen Braunkohleschmutz. Eine Mark, so wurde aufgerufen, sollte auf eine kirchliche Bank überwiesen werden - und auf diesem Weg war die Unterschrift da. Nicht verboten und doch verboten. Über 100.000 Menschen spendeten samt ihrer Unterschrift eine Mark und legten so Zeugnis ab für die Bewahrung der Schöpfung.
Die Ausstellung wird am 7. Mai mit einer Vernissage eröffnet. Das Programm befindet sich auf dem Flyer (pdf).
Gäste sind u.a.:
Wolfram Günther, Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
Walter Christian Steinbach, Begründer der Bürgerinitiative CUR, Regierungspräsident a. D.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10:00 - 18:00 Uhr
Dreikönigskirche / Haus der Kirche Dresden Neustadt
Hauptstraße 23
01097 Dresden
Studientag am Montag, 22. April 2024, 16 bis 20 Uhr, Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden
„Jeder Mensch mit freiem Willen ist eine Fundgrube lebendiger Gedanken“, schrieb Anna Wischnak in einem Brief aus dem Gefängnis. Sie war im Herbst 2020 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil sie sich als eine von unzähligen Freiwilligen für die Demokratiebewegung in Belarus engagiert hatte. Am Tag des 300. Geburtstages des Freiheitsphilosophen Immanuel Kant widmet sich der Studientag dem Zeugnis der Hoffnung auf Freiheit und Frieden, wie es derzeit in den belarusischen Gefängnissen formuliert wird. Gelesen und besprochen werden insbesondere die Aufzeichnungen des derzeit in Haft sitzenden Maxim Znak, Rechtsanwalt und Mitglied des Koordinierungsrates der demokratischen Opposition. Zu ihm gibt es seit Februar 2023 keinerlei Kontakt mehr. Der Studientag soll ein Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen aus Belarus und den Inhaftierten setzen.
Leitung: Akademiedirektor Stephan Bickhardt
Kooperation: Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden, Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V., razam e.V., Evangelische Hochschule Sachsen
ANMELDUNG: Homepage (www.ea-sachsen.de) oder per Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Dokumentarfilm von Helke Misselwitz, DEFA-Studio 1988, 111 min
24.04.2024, 19 Uhr im Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig (Dittrichring 24, 04109 Leipzig)
Bei einer Zugreise durch die DDR trifft Regisseurin Helke Misselwitz unterschiedliche Frauen und spricht mit ihnen über ihren Alltag im "real existierenden Sozialismus", über Beruf, Familie und persönliche Träume. Das Bild eines Landes im Wandel.
Sie will wissen "wie andere gelebt haben, wie sie leben möchten" in einem Land, das in seiner Verfassung "die volle Gleichberechtigung von Mann und Frau" festgelegt hat. Die Frauen, denen Helke Misselwitz begegnet, erzählen erstaunlich freimütig von Partnerschaft und Ehe, von Familie und Kindern, ihrem Arbeitsalltag und ihren persönlichen Träumen.
Veranstalter: Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V., Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. und Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
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