Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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Quelle: ČTKIm September 1944 wird Bulgarien von sowjetischen Truppen besetzt und die kommunistische Partei putscht sich an die Macht. Der 9. September wird alljährlich als „Tag der Befreiung“ gefeiert. Noch im selben Jahr wird der bulgarische Geheimdienst „Komitee für Staatssicherheit“ (KDS) gegründet. In der Folge überwachen ca. 300.000 Mitarbeiter 8 Millionen Bulgaren.

Quelle: ČTKGeorgi Dimitroff (Mitte), der „Held von Leipzig“ im Reichstagsbrandprozess von 1933, wird 1946 bulgarischer Ministerpräsident.
Im Jahr darauf, am 4. Dezember, tritt die sogenannte „Dimitroff-Verfassung“ in Kraft. Sie folgt dem sowjetischen Vorbild und bedeutet das Ende demokratischer Hoffnungen in Bulgarien.

- 45 Jahre sind genug -  Verhaftung von "Volksfeinden", 1946 | Quelle: lostbulgaria.com
- 45 Jahre sind genug - Verhaftung von "Volksfeinden", 1946 | Quelle: lostbulgaria.com

Zwischen 1945 und 1949 entstehen in Bulgarien zahlreiche Arbeitslager, in denen politisch missliebige Personen inhaftiert werden und unter schrecklichen Lebensbedingungen Zwangsarbeit verrichten müssen. Viele der Häftlinge kommen ums Leben. Ab 1949 werden die Gefangenen verschiedener Lager zusammengelegt und auf der Donauinsel Belene untergebracht (1953 ca. 1.900 "Volksfeinde"). Nach Stalins Tod 1953 geht die Zahl der Verhaftungen stark zurück. Nach dem Ungarnaufstand 1956 sorgen landesweite Verhaftungswellen für einen erneuten Anstieg. 1959 kommt es zu einem Hungerstreik unter den Gefangenen, in dessen Folge das Lager geschlossen und die Insassen in andere Lager verlegt werden. Tatsächlich wird Belene jedoch weiterbetrieben – so sind hier in den 1980er Jahren Angehörige der türkischen Minderheit inhaftiert, die sich der „Bulgarisierung“ widersetzen.

Schauprozess gegen 15 Geistliche der evangelischen Kirche Bulgariens, Sofia 16.3.1949 | Quelle: ČTK
Schauprozess gegen 15 Geistliche der evangelischen Kirche Bulgariens, Sofia 16.3.1949 | Quelle: ČTK

Einer Untersuchung aus dem Jahre 1990 zufolge existierten in Bulgarien zwischen 1944 und 1962 100 Lager mit ca. 170.000 Insassen. 1952 sind allein in Belene 70.000 Menschen inhaftiert. Verlässliche Zahlen gibt es jedoch nicht, da der bulgarische Staat bis heute keine Einsicht in die entsprechenden Akten gewährt.

Themenblock Bulgarien

Sonne garantiert – Die „Riviera“ der DDR

In Bulgarien gewinnt der Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor seit Beginn der 1960er Jahre zunehmend an Bedeutung. Beträgt die Zahl ausländischer Touristen 1960 noch 150.000, kommen 1967 bereits 1,6 Millionen nach Bulgarien – eine Verzehnfachung innerhalb von nur sieben Jahren. 43 Prozent von ihnen stammen aus dem westlichen Ausland und bringen die begehrten Devisen mit.

Tot oder lebendig - Flucht fernab der DDR

In der DDR erfährt man wenig über geglückte oder misslungene Fluchtversuche über Bulgarien. Auch die Westmedien berichten kaum etwas darüber. Daher verbreitet sich in der DDR die fatale Vorstellung, es sei weniger gefährlich, über Bulgarien „abzuhauen“. Durch die geografische Entfernung wähnt man sich außerdem weit weg der DDR-Kontrolle.


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