Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Alle Artikel, Audios und Videos zu Rumänien.

Im Schatten des Kalten Krieges etabliert der rumänische Diktator Nikolae Ceauşescu ein System der Selbstherrlichkeit und Unterdrückung. Ceauşescus Politik blendet „Freund“ und „Feind“. Seine liberale Haltung zum „Prager Frühling“ 1968 verschafft ihm zunächst einen innen- und außenpolitischen Bonus. Der Westen unterstützt Rumänien in der Annahme, das sowjetische Imperium dadurch zu schwächen. Man negiert lange die unmenschlichen Verhältnisse in Rumänien.

Das Land liegt innerhalb der kleinen bereisbaren Welt der DDR. Offizielle Nachrichten werden damit überprüfbar. Es entwickelt sich eine Solidaritätsbewegung für das geschundene rumänische Volk. Die demonstrativ zur Schau getragene politische und moralische Phalanx zwischen Honecker und Ceauşescu erregt vielfältigen Protest und erweitert das oppositionelle Spektrum in der DDR.


Collage | Quelle: Asociatia Memorialul Revolutiei 16-22 Decembrie 1989 Timişoara

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Die Luft für Ceauşescu wird immer dünner. Nachdem die westlichen Staaten ihn ignorieren, bleiben ihm nur noch die „alten“ Verbündeten. Mit demonstrativen Solidaritätsbekundungen stützt man sich gegenseitig in der Wahrnehmung der Wirklichkeit. So wird Ceauşescu anlässlich seines 70. Geburtstages im Januar 1988 die höchste Auszeichnung der DDR verliehen, der Karl-Marx-Orden.


Tagung des Warschauer Pakts im Mai 1987. V.l.: Gustáv Husak (ČSSR), Todor Shiwkow (Bulgarien), Erich Honecker (DDR), Michail Gorbatschow (Sowjetunion), Nicolae Ceauşescu (Rumänien), Wojciech Jaruzelski (Polen) und Janos Kadar (Ungarn) | Quelle: Bundesarchiv

 

PDF Download: Appell der Gewerkschaft Libertate. Bild: subjug/iStockphoto„Abschaffung der gegenwärtigen Hungersituation“
Im Mai 1988 gründen verschiedene Oppositionelle die illegale Gewerkschaft „Libertatea“ (Freiheit). Bereits einen Monat später richten sie einen Appell an die KZSE-Nachfolgekonferenz in Wien und machen damit die katastrophalen Zustände für Europa öffentlich.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

 

Im Juni demonstrierten 40.000 Menschen in Budapest und solidarisieren sich mit der ungarischen Minderheit in Rumänien.Im Frühjahr 1988 nennt Ceauşescu erstmals konkrete Zahlen seines „Systematisierungsprogramms“. Demnach sollen bis zum Jahr 2000 die Hälfte aller ca. 13.000 Dörfer beseitigt sein. Es kommt zu Protesten aus ganz Europa. Im Juni demonstrierten 40.000 Menschen in Budapest und solidarisieren sich mit der ungarischen Minderheit in Rumänien.

 

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Rumänen stimmten über Mandate in den örtlichen Räten abDie auf dem Rücken der Bevölkerung vollzogene Entschuldung des Landes seit 1982 führt zu katastrophalen Lebensverhältnissen.
Am 15. November kommt es im Zusammenhang mit der Kommunalwahl in Kronstadt (Braşov) zu einem Aufstand von ca. 20.000 Arbeitern. Die sozialen Proteste schlagen schnell in eine politische Revolte um. Das Rathaus und die Parteibüros werden besetzt und geplündert und auf dem Marktplatz Parteiunterlagen, Propagandamaterial und Ceauşescu-Porträts verbrannt.
Erst am Abend kann Polizei und Armee die Revolte stoppen. 300 bis 400 Menschen werden verhaftet, verurteilt oder zwangsumgesiedelt.

 

PDF Download: Bericht eines Zeitzeugen. Bild: subjug/iStockphoto„Es schien, als würden die Arbeiter kommen, um ihre Stimme abzugeben.“
Der Aufstand in Braşov ist der Ausgangspunkt einer ständig wachsenden Solidaritätsbewegung in der DDR.

 

Im Jahr darauf bildet dieses Ereignis den Hintergrund für den „euröpäischen Aktionstag Rumänien“.

 

Olympiade in Los Angeles

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 Trotz der innenpolitischen Zustände wird Ceauşescu von westlichen Politikern unterstützt. Durch seinen scheinbar kritischen Kurs gegenüber der Sowjetunion bleibt er für den Westen interessant.

Logo Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 Rumänien ist das einzige sozialistische Land, das die Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 nicht boykottiert– trotz mehrerer Intervention des sowjetischen Botschafters in Bukarest. Zum „Dank“ bekommt Rumänien finanzielle Unterstützung und erhält die Übertragungsrechte für die Olympiade geschenkt.
Rumänien gewinnt nach den USA die meisten Medaillen.

Erst Mitte der 1980er Jahre ist Ceauşescus „Stern“ nach jahrelangem Hofieren am Sinken. Das letzte westliche Land, das ihn einlädt, ist im Oktober 1984 die Bundesrepublik. Es finden ausführliche Gespräche mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) statt.


Quelle: Bundesarchiv

Petra Kelly, 1982 | Quelle: Bundesarchiv Für einen Eklat sorgt die Grünen-Politikerin Petra Kelly. Während des Banketts „zu Ehren des rumänischen Präsidenten“ übergibt sie dem Diktator eine Broschüre von amnesty international über Menschenrechtsverletzungen in Rumänien.

 

Casa Poporului

Ceauşescus Gigantomanie erreicht den Höhepunkt. Seine absurden Bauwerke, um sich zu verewigen, entstehen auf dem Rücken der Bevölkerung. Trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Situation beginnt am 25. Juni 1984 der Bau des „Casa Poporului“ (Volkspalast). Die Idee dazu entstand nach dem großen Erdbeben von 1977. Damals war nur der Bukarester Stadtbezirk Uranus unbeschädigt geblieben. Diesen wählte man nun wegen seiner geologischen Sicherheit zum Standort des Hauptquartiers für Partei und Staat.

 

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Für den gigantischen Bau wird ein Sechstel der historischen Altstadt abgerissen. Fast 10.000 Wohnungen, ein Dutzend Kirchen, drei Synagogen und andere Gebäude fallen den Bulldozern zum Opfer. Die Bewohner werden in Neubausiedlungen am Stadtrand umquartiert. Die Umsiedlung zerreißt alte soziale Strukturen. Gleichzeitig entstehen Aufmarschplätze sowohl für die üblichen Paraden, aber auch für das Militär im Falle von Unruhen, wie sich zeigen wird.

 

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Mit einer nutzbaren Fläche von 365.000 m2, aufgeteilt auf 5.100 Räume, ist der Palast das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt nach dem Pentagon in Washington. Innerhalb von 5 Jahren arbeiten über 20.000 Bauleute im Dreischichtsystem. Der Bau hat geschätzte 3,3 Milliarden Euro gekostet, was in etwa 40% des Bruttosozialproduktes Rumäniens entspreche.

 

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„Programmierter Friedhof“: der Donau-Schwarzmeer-Kanal

Donau-Schwarzmeer-Kanal Ein ebenso umstrittenes Bauvorhaben bildet der Donau-Schwarzmeer-Kanal. Er wird am 27. Mai 1984 in wiederum göttlicher Personenverehrung eröffnet, denn damit erfüllt sich ein rumänischer Jahrhunderttraum. Er verkürzt den Schiffahrtsweg zum Schwarzen Meer zwar um ca. 240 km, doch seine tatsächliche Wirtschaftlichkeit wird angezweifelt.
Im 19. Jahrhundert bereits geplant beginnt das Vorhaben 1949. Zwischen 1953 und 1973 ruht der Bau wegen fehlendem Geld.

 

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Propagandafilm der DDR zum Baubeginn: „Partei und Regierung liegt das Wohlergehen aller am Kanalbau Schaffenden ganz besonders am Herzen.“


Zum Bau wurden ca. 40.000 Gefangene eingesetzt, die in acht verschiedenen Lagern untergebracht waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Beteiligte reflektieren den Kanal als einen „programmierten Friedhof“. (Quelle: archive.org)

 

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USA-Hetze

Am 21. Februar 1981 wird im Auftrag des rumänischen Geheimdienstes Securitate ein Sprengstoffanschlag auf den Radiosender „Radio Free Europe“ (RFE) in München verübt. Ziel ist die rumänische Redaktion. Getroffen wird allerdings durch ein Versehen die tschechische. Es gibt mehrere Schwerverletzte.

Quelle: Hoover Institutions Archive
Quelle: Hoover Institutions Archive

Quelle: Hoover Institutions Archive
Quelle: Hoover Institutions Archive

Quelle: Hoover Institutions Archive

In den Auseinandersetzungen der beiden Machtblöcke spielte der Sender eine wichtige Rolle in der Informationspolitik. „Das Kind des Kalten Krieges“ wurde von den USA finanziert und von Exilanten gemacht. Seit 1951 produzierte man auf Kurzwelle muttersprachliche Programme. Sie versorgten die Heimat mit Informationen jenseits der jeweiligen Parteipropaganda. Daneben spielten für die Hörer die neuesten musikalischen Trends eine wichtige Rolle. Waren diese doch oft, im einheimischen Radio nicht zu hören. Was für die Menschen in der DDR Rundfunk und Fernsehen der Bundesrepublik als wichtige Informationsquelle gewesen ist, war in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten Radio Free Europe.
Die kommunistischen Machthaber unternahmen immer wieder große Anstrengungen, den Empfang zu stören. Die Securitate schreckte dabei nicht vor Mordversuchen an rumänischen Redakteuren zurück.

Jingle Radio Free Europe
Quelle: Hoover Institutions Archive

„Ich hörte es, weil ich es musste.“


Ausschnitt einer Dokumentation über die Rolle von Radio Free Europe im Rumänien der 1980er Jahre.

Quelle: archive.org

Übersicht Aufbau des rumänischen Geheimdienstes Securitate | Quelle: ABL
Bild: Collage unter Verwendung von elfinima/Niklz/vusta/iStockphoto

Zu den hauptamtlichen Agenten kommt eine große Masse von Zuträgern. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 1:50 ist. Die Securitate untersteht der direkten Kontrolle durch die Familie Ceauşescu.



Visite auf einem Gemüsemarkt, 1970 | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

Am 9. Oktober verfügt die rumänische Regierung, dass Hamsterkäufe mit 5 Jahren Gefängnis bestraft werden. Am Tag darauf besucht Ceauşescu in Bukarest einen Markt und erklärt demonstrativ, es seien genügend landwirtschaftliche und industrielle Güter vorhanden, um eine „vernünftige Versorgung“, sicherzustellen.

 

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Die soziale und wirtschaftliche Situation der Menschen wird immer katastrophaler, die Arbeitsbedingungen immer schlechter. Proportional dazu steigt die allgegenwärtige Kontrolle durch Partei und Securitate.
Im Januar 1979 gründen 15 Arbeiter des Donau-Hafens in Drobeta Turnu Severin und der Arzt Ionel Cana eine „Freie Gewerkschaft der Arbeiter Rumäniens“ – SLOMR (Sindicatul Liber al Oamenilor Muncii din România).


Visite der Familie Ceauşescu im Donauhafen von Drobeta Turnu Severin, 1976 | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

Gefordert wird ein offener Dialog mit den staatlichen Stellen. Schon bald zählt die Bewegung ca. 2.400 Arbeiter. Unterstützt werden sie u.a. von Paul Goma aus dem französischen Exil.
Die offizielle Gründungserklärung wird am 4. März 1979 über Radio Free Europa veröffentlicht. Verhaftungen, systematische Schikane, Einweisungen in psychiatrische Anstalten folgen.
Im April protestieren SLOMR-Mitglieder in einem offenen Brief an Ceauşescu. Doch bereits im Juni 1979 wird die Gewerkschaft durch die gleichzeitige Verhaftung hunderter Mitglieder zerschlagen.

Im Gegensatz dazu zeichnet die Propaganda permanent das Bild der „Industrienation Rumänien“.

 

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Die verdrehte Logik einer Diktatur.

Lügen haben kurze Beine … und lange Ohren

Im März 1979 besucht Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing Rumänien. Während dieses Besuches unterläuft der Parteipropaganda ein „Lapsus“, der Ceauşescu der Lächerlichkeit preisgibt.

Bei der offiziellen Begrüßung nimmt Ceauşescu seine Mütze ab, während der körperlich größere Giscard d'Estaing seinen Hut auf hat. „Undenkbar!“
Bei der offiziellen Begrüßung nimmt Ceauşescu seine Mütze ab, während der körperlich größere Giscard d'Estaing seinen Hut auf hat. Zur Redaktionssitzung der wichtigsten Parteizeitung „Scînteia“ entscheidet der zuständige Redakteur, dass dieses Bild untragbar ist. Der „geniale Führer“ wirke neben dem Franzosen wie ein Bettler. Politisch interpretiert, ziehe der rumänische Sozialismus vor dem Kapitalismus den Hut.

„Schnellstmöglich!“
Der Besuch soll aber auf den Titelseiten positiv dargestellt werden. Der unter Zeitdruck stehende Partei-Redakteur fordert im vorauseilenden Gehorsam, das Problem zu beheben und die Ehre des „conducător“(Führer), wie sich Ceauşescu mittlerweile betiteln lässt, wiederherzustellen.

Fotolaboranten montieren Ceauşescu kurzerhand eine Mütze auf „Peinlich!“
Die Fotolaboranten montieren Ceauşescu kurzerhand eine Mütze auf den Kopf. Das Gleichgewicht scheint wieder hergestellt. Die Zeitungen werden gedruckt. Doch nach der Auslieferung wird zufällig festgestellt, dass Ceauşescu die echte Mütze noch immer in der Hand hält. Bei der Montage wurde vergessen, sie weg zu retuschieren.

 

Um die Blamage doch noch abzuwenden, wird die Polizei beauftragt, die bereits ausgelieferten Zeitungen zu beschlagnahmen. Was mit dem Redakteur geschah, ist nicht überliefert.

 

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Roman - Ostinato - von Paul Goma Die Rumänische Zensur verweigert 1971 die Veröffentlichung des Romans „Ostinato“ von Paul Goma (Jg. 1935). Daraufhin erscheint das Buch in Westdeutschland und Paul Goma wird eines der Hauptobjekte des Geheimdienstes. Spätestens mit seiner Solidaritätserklärung für die „Charta 77“ in der ČSSR wird er zum Dissidenten.
Goma appellierte außerdem in einem offenen Brief an die Teilnehmer-Staaten der KSZE-Nachfolgekonferenz von Oktober 1977 bis März 1978 in Belgrad und forderte die Einhaltung der Menschenrechte in Rumänien ein. Den Brief unterschreiben 200 Personen. Die meisten von ihnen wollen dadurch ihren „Rauswurf“ aus Rumänien provozieren.

 

PDF Download: Herrn Ceauşescu, königlicher Palast Bukarest. Bild: subjug/iStockphotoPaul Goma: „Nur zwei Personen fürchten die Sicherheitspolizei nicht: Ihre werte Person und ich.“
Im Februar 1977 fordert Goma Ceauşescu in einem Brief auf, sich mit dem Anliegen der „Charta 77“ zu identifizieren. Der Präsident habe mit seiner Haltung von 1968 große Hoffnungen geweckt und solle dies nun bestätigen.

Gomas Pamphlete werden auch über Radio Free Europa verbreitet. Doch eine große Resonanz in der Bevölkerung gibt es nicht, denn Rumänien hat zeitgleich mit einer Naturkatastrophe zu kämpfen.
Diese spielt den Machthabern dahingehend in die Hände, dass sie Goma ohne viel Aufmerksamkeit erst verhaften und dann im Herbst 1977 nach Paris abschieben können.

Am 4. März 1977 erschüttert Bukarest das schwerste Erdbeben in der Geschichte Rumäniens. Am Ende sind es über 1.500 Menschen, die ihr Leben verlieren. Mehr als 150.000 Wohnungen werden zerstört, etwa 350.000 müssen saniert werden. Der Wiederaufbau dauert Jahre.


Der Landesvater „kümmert“ sich. | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

Quelle: Roter Morgen, Januar 1978 Im Schiltal im Südwesten des Landes (valea Jiului) kommt es im August zu einem Aufruhr der Bergarbeiter. 35.000 versammeln sich in Lupeni, um gegen ein Gesetz zu protestieren, dass ihre Altersversorgung einschränkt. Sie nehmen die als Verhandlungspartner geschickten Parteifunktionäre als Geiseln.

 

Quelle: Roter Morgen, Januar 1978 Ceauşescu kommt am 3. August nach Lupeni und geht auf viele ihrer Forderungen ein. Mitte August kommt er erneut ins Schiltal und macht neue Versprechungen. Im September besetzt die Armee das Schiltal und die Securitate setzt zahllose Spitzel ein. Vermeintliche Streikführer werden verhaftet. Nach und nach werden 4.000 Familien, etwa 16.000 Personen, aus den Kohlegebieten in entlegene Gegenden deportiert. Die Angst der Menschen „beruhigt“ die Lage im Schiltal.

 

Im November muss Ceauşescu erneut ins Schiltal und er zelebriert mit seiner Frau Volksnähe. Er lässt sich zum „Ehrenbergmann“ ernennen. Grund der Inszenierung: Die Unzufriedenheit der Menschen hat auf Textilfabriken in Brasov und sogar ein Schwermaschinenwerk in Bukarest übergegriffen.

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Am 1. August unterzeichnet Rumänien die Schlussakte von Helsinki und verpflichtet sich u.a., die Menschenrechte einzuhalten. Ungeachtet der sich verschärfenden Situation in Rumänien wird Ceauşescu von der westlichen Welt hofiert:

Eheleute Ceauşescu (links und Mitte) mit Bundespräsident Heinemann (rechts), 20. Mai 1971 | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc1971 wird während eines Staatsbesuches von Bundespräsident Gustav Heinemann in Rumänien Ceauşescu die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für ausländische Regierungschefs, die „Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, verliehen.

 

Am 8. Dezember 1972 tritt Rumänien dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank bei.Am 8. Dezember 1972 tritt Rumänien dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank bei.

 

Quelle: Fototeca online a comunismului românescIm August 1975 besucht der amerikanische Präsident Gerald Ford Ceauşescu. Die USA nimmt Rumänien in den Kreis derjenigen Länder auf, die mit Sonderkonditionen ihre Waren in die USA exportieren können.

 

Im krassen Gegensatz dazu steht die innenpolitische Autokratie. Im Herbst 1975 wird eine Gruppe junger Literaten, die „Arbeitsgruppe Banat“, von der Staatssicherheit Securitate zerschlagen.
Ähnlich wie in anderen Ostblockstaaten fanden sich im Zuge der „68er-Bewegung“ junge Menschen zusammen, die ihre Wirklichkeit mit anderen Augen sehen als das politische Establishment. 1972 gründete sich in Temeswar die „Aktionsgruppe Banat“.


Sommer 1974, v.l.: William Totok, Werner Kremm, Richard Wagner, Johann Lippelt, Rolf Bossert und Anton Sterbling.

PDF Download: Leseprobe Lyrik-Text. Bild: subjug/iStockphoto Das Credo der Gruppe heißt „Engagement“ - so der gemeinsam erarbeitete Lyrik-Text, der am Anfang jeden Auftritts gelesen wird. Das Gedicht wird von der Zensur gestrichen.

Neun junge rumänisch-deutsche Schriftsteller suchen nach kulturellen und politischen Orientierungsmöglichkeiten abseits vorhandener Gegebenheiten. Für sie sind das der heimatliche Traditionalismus der Banater Schwaben und die rumänische Parteiideologie. Die Aktionsgruppe Banat versteht sich als Marxisten - die Securitate sieht in ihnen „deutsche Faschisten“ und verfolgt sie dementsprechend.

 

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Die zuvor gelockerte Isolation dem Ausland gegenüber wird wieder verschärft. Die Bewegungsfreiheit von Ausländern in Rumänien wird stark eingeschränkt. Rumänische Staatsbürger müssen jeden Kontakt mit Ausländern der Polizei melden und es herrscht ein strenges Verbot für Privatpersonen, Devisen zu besitzen.


Am 29. April 1974 lässt Ceauşescu sich zum Staatspräsidenten ernennen, dessen Dekrete Gesetzeskraft haben. | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

Von weitreichender Bedeutung ist das bereits 1972 beschlossene „Systematisierungsprogramm“, das die Zerstörung kleinerer Dörfer und Ortschaften und die Umsiedlung ihrer Bewohner in „agro-industrielle“ Zentren vorsieht. Jetzt, 1974, wird dieser Plan per Gesetz bestätigt.
Betroffen sind nicht nur Dörfer. Auch in den Städten werden die alten Strukturen zerstört, um sie durch neue sozialistische Wohnviertel zu ersetzen. Von den 13.000 Dörfern Rumäniens sollen 5.000 bis 7.000 verschwinden. Die Zerstörung sozialer Strukturen und die Konzentration der Bevölkerung in Wohnzentren ermöglicht auch eine effektivere Kontrolle für die Securitate.


Das Systematisierungsprogramm rief erst Ende der 1980er Jahre vielfach Proteste im In- und Ausland hervor. | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

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