Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Ungarn vollzieht eine Entwicklung vom „besten Schüler Stalins“ zum Vorreiter der Liberalisierung im Ostblock.
Traumatisch ist die Niederschlagung der ungarischen Revolution 1956. In der Folge versucht die kommunistische Partei, die Ursachen der Unzufriedenheit durch Konsum auszugleichen. Das führt zum sogenannten „Gulaschkommunismus“. Die Forcierung individueller ökonomischer Interessen entpolitisiert die Bevölkerung. Gleichzeitig werden die entstehenden westlichen Kauflandschaften für DDR-Touristen zum „Schaufenster“ und wecken materielle Begehrlichkeiten.
Ungarische Verwaltungseliten vollführen unter dem Druck der wirtschaftlichen Misere und der demokratischen Opposition einen evolutionären Systemwechsel – bis hin zum Fall des „Eisernen Vorhangs“.

Dieses „Loch“ führt im Sommer 1989 zu einer Massenflucht von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik.

 

 

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    Nachkriegsordnung

    Die deutsche Besatzung und die aktive Teilnahme Ungarns am deutschen Feldzug enden mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Oktober 1944. Im Dezember 1944 wird eine neue provisorische Regierung gebildet, die mit den Alliierten verhandelt. Ab dem 20. Januar 1945 herrscht ein Waffenstillstandsabkommen. Nach Kriegsende liegt Ungarn im sowjetischen Einflussbereich und untersteht einer sowjetischen Militärverwaltung.
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    Machtergreifung der Kommunistischen Partei

    Am 24. August 1947 finden erneut – unter Manipulationsverdacht stehende - Parlamentswahlen statt. Die Kommunistische Partei wird die stärkste Kraft. Nachdem die Regierungsbildung unter dem Kommunisten Mátyás Rákosi scheiterte, wird Layos Dinnyés von der Kleinbauernpartei neuer Ministerpräsident. Zoltán Tildy bleibt zunächst Staatspräsident. Imre Nagy wird Parlamentspräsident
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    Ungarische Einheitspartei

    Am 12. Juni 1948 wird – durch die Vereinigung der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei Ungarns - die Ungarische Partei der Werktätigen (MDP) gegründet. Mátyás Rákosi, der sich selbst als „Stalins besten Schüler“ bezeichnet, wird Generalsekretär der MDP und treibt mit Unterstützung des Kremls die Sowjetisierung und Machtergreifung der Kommunisten in Ungarn voran.
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    Verstaatlichung

    Bei den Parlamentswahlen am 15. Mai 1949 geht die MDP siegreich hervor. Das neue Parlament verabschiedet eine neue Verfassung, die der sowjetischen aus dem Jahr 1936 nachempfunden ist. Darin ist die führende Rolle der Partei festgeschrieben. Am 20. August 1949 wird die Volksrepublik Ungarn ausgerufen. Alle Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten werden verstaatlicht und der Übergang zur Planwirtschaft vorangetrieben.
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    Ära des Poststalinismus

    Nach dem Tod Stalins am 5. März 1953 kommt es zu einem Führungswechsel in Moskau und einer allmählichen Änderung des politischen Kurses im Ostblock. Der Hardliner Mátyás Rákosi muss auf Druck der neuen sowjetischen Regierung am 4. Juli 1953 die Ministerpräsidentschaft an Imre Nagy abtreten. Bereits in seiner Regierungserklärung verkündet Nagy seine neuen Ziele, die eine vorsichtige Liberalisierung und eine Abkehr vom stalinistischen Kurs bedeuten. Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft wird gestoppt, die Arbeitsnormen gesenkt, der Konsumsektor gefördert. Nagy schafft die Internierungslager ab.
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    Ende der Regierung Nagy

    Der schwelende innerparteiliche Konflikt führt im März 1955 zum vorläufigen Ende der Regierungszeit Nagy. Er wird von Rákosi als „Abweichler“ vorgeführt und im November aus der Partei ausgeschlossen. Der Parteichef kann diesmal auf die Unterstützung der Kreml-Führung bauen, geht dieser doch die Reformpolitik von Nagy ebenfalls zu weit. Neuer Regierungschef wird András Hegedüs. Mit ihm zusammen betreibt Rákosi eine Restauration des Stalinismus. So wird u.a. die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft wieder aufgenommen.
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    Revolte in Budapest

    Am 23. Oktober organisieren Studenten der Eötvös Loránd Universität in Budapest eine Solidaritätskundgebung für die streikenden Arbeiter in Polen. Sie fordern Entstalinisierung, Demokratisierung und die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Aus dieser Demonstration entwickelt sich ein landesweiter Aufstand.
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    Liberalisierung

    Den Jahren der Repressionen folgt eine gewisse „Befriedung“ der Gesellschaft. Über eine spürbare Verbesserung des Lebensstandards können die Menschen materiell „ruhiggestellt“ werden. Ebenso bemüht sich das Regime um eine Aussöhnung mit der Intelligenz. Nach und nach werden kleine Freiheiten gewährt, Publikationsverbote teilweise aufgehoben und wissenschaftliches Arbeiten mit weniger staatlichen Schranken möglich.
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    Debatte über Wirtschaft und Gesellschaft

    Obwohl das ungarische Politbüro sich einstimmig gegen eine militärische Lösung des „Prager Frühlings“ ausgesprochen hat, stimmt Kádár einer Beteiligung Ungarns zu. Im Gegensatz zur außenpolitischen Konfrontation kommt es in Ungarn zu einer Versöhnung mit dem Regime. In der Reformdebatte seit Mitte der 1960er Jahre werden Fragen über Wirtschaft und Gesellschaft neu diskutiert.
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    Ende der liberalen Ökonomie

    Nicht zuletzt durch den massiven Druck von Seiten der DDR wird Ungarn angehalten, seine wirtschaftlichen Beziehungen im Rahmen des „Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) zu vollziehen. Hintergrund ist neben politisch-ideologischen Aspekten die internationale Energie- und Rohstoffkrise. Alle „Bruderstaaten“ versuchen über Kompensationsgeschäfte innerhalb ihres Wirtschaftsraumes den Weltmarktpreisen zu entgehen. Andererseits ist jeder bemüht, gegen Devisen zu exportieren.
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    Öffnung zum Westen

    Die wirtschaftliche Situation entschärft sich nicht wesentlich. Das veranlasst die ungarische Führung ihre Beziehungen zum Westen auszubauen. Am 1. Januar fällt der Visazwang zwischen Österreich und Ungarn. Das gute Verhältnis der beiden Länder bildet die Grundlage für den Ausbau der Kontakte nach Westeuropa. Westliche Unternehmen bekommen in den Folgejahren Zugang zum ungarischen Markt (Levis, Malboro, Coca-Cola). Trotz des stockenden Wachstums herrscht eine zunehmende Wohlstandsatmosphäre. Völlig neue Konsumwünsche können befriedigt werden.
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    Staustufenprojekt Gabčikovo-Nagymaros

    Seit Anfang des Jahres konstituiert sich die größte unabhängige Umweltbewegung der Ostblock-Staaten. Ausgangspunkt ist die Diskussion um das „Staustufenprojekt Gabčikovo-Nagymaros“. Danach soll zwischen dem slowakischen Ort Gabčikovo und dem ungarischen Nagymaros am Donauknie ein 200 Kilometer umfassendes Staustufensystem entstehen. Bereits 1977 wurde das Vorhaben durch die Unterzeichnung des ungarisch-tschechoslowakischen „Staatsvertrags zur gemeinsamen Nutzung der Donau-Energie“ besiegelt. Es müssen dafür verschiedene Stauseen entstehen und ein Teil des Donauhauptarms verlegt werden.
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    Ökonomische Belastungen

    Ungarn hat die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im gesamten Ostblock. Zwar sind die Schaufenster voll, doch nur noch wenige Ungarn können es sich noch leisten. Das wachsende Staatsdefizit wird mit dem Abbau von Subventionen reduziert. Bei steigenden Preisen müssen viele Ungarn einen zweiten Job annehmen und arbeiten 10 bis 14 Stunden. Weite Teile der Gesellschaft verarmen. Das System „Kádár“ wird von der Wirklichkeit überrollt.
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    Palastrevolution

    Anders als in Polen, wo Streiks zu radikalen Veränderungen führen, ist es in Ungarn der gesellschaftliche Diskurs durch die sich verbreitenden Bürgerinitiativen, Vereine und Klubs. Die Entwicklung treibt die Staatspartei in die Enge und der kommunistische Reformflügel kann sich durchsetzen. Auf dem Parteitag im Mai 1988 kommt es zur „Palastrevolution“. Janos Kádár wird auf das Altenteil geschoben und die Reformer übernehmen die Macht. Neuer Parteichef wird Károly Grósz. Die Sowjetunion signalisiert, gegen den ungarischen Reformkurs nicht zu intervenieren.
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    Öffnung der Grenze zu Österreich

    Aus der Konsequenz einer politischen Neubewertung der Ereignisse von 1956 als „Volksaufstand“ erwächst eine Identität, die Ungarn aus dem sowjetischen Machtgefüge immer mehr herauslöst. Demonstrationen treiben dabei die Entwicklung voran. In Ungarn beginnt die Öffnung des „Eisernen Vorhangs“. Der geopolitische Status Quo des II. Weltkrieges mit der Teilung Europas wird hier aufgelöst.
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