Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Mit Todor Schiwkow herrscht von 1954 bis 1989 der am längsten amtierende Staats- und Parteichef in Mittel-Osteuropa. Er übernimmt reflexartig alle politischen Strömungen der Sowjetunion bis 1986. Neben den gesellschaftlichen Problemen eines jeden sozialistischen Staates wird das Ende der Volksrepublik vom Widerstand gegen die rigide Assimilierungspolitik gegenüber den ethnischen und nationalen Minderheiten (Pomaken, Türken) bestimmt. Die Veränderungen 1989 /90 steuern die alten kommunistischen Eliten.
Mit dem Ausbau des Tourismus seit Ende der 1950er Jahre wird Bulgarien zum beliebten Reiseziel für die Menschen in der DDR. Ob Schwarzmeerküste oder die Gebirge – nirgendwo im Ostblock kommt man dem Traum vom südländischen Flair so nah wie hier.
Für das DDR-Sicherheitsregime sind Touristen jedoch potentielle Spione und „Republikflüchtlinge“.

 

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    1946 Arbeitslager

    Zwischen 1945 und 1949 entstehen in Bulgarien zahlreiche Arbeitslager, in denen politisch missliebige Personen inhaftiert werden und unter schrecklichen Lebensbedingungen Zwangsarbeit verrichten müssen. Viele der Häftlinge kommen ums Leben. Ab 1949 werden die Gefangenen verschiedener Lager zusammengelegt und auf der Donauinsel Belene untergebracht (1953 ca. 1.900 "Volksfeinde"). Nach Stalins Tod 1953 geht die Zahl der Verhaftungen stark zurück. Nach dem Ungarnaufstand 1956 sorgen landesweite Verhaftungswellen für einen erneuten Anstieg. 1959 kommt es zu einem Hungerstreik unter den Gefangenen, in dessen Folge das Lager geschlossen und die Insassen in andere Lager verlegt werden. Tatsächlich wird Belene jedoch weiterbetrieben – so sind hier in den 1980er Jahren Angehörige der türkischen Minderheit inhaftiert, die sich der „Bulgarisierung“ widersetzen.
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    1949 Tod Dimitroffs

    Georgi Dimitroff Am 2. Juli 1949 stirbt Georgi Dimitroff in einem Sanatorium bei Moskau. Sein Leichnam wird mit einem Zug nach Bulgarien überführt. Die Leiche wird einbalsamiert und in einem eigens errichteten Mausoleum in Sofia aufgebahrt.
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    1950 Nachfolger Dimitroffs

    Bereits ein halbes Jahr nach Dimitroff stirbt sein Nachfolger Wassil Kolarow. Neuer Staats- und Parteichef wird im Februar 1950 Walko Tscherwenkow. Der Schwager von Georgi Dimitroff wird wegen seiner Linientreue als „kleiner Stalin“ bekannt und erhält den Beinamen „der rote Wolf“.
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    1951 Aufstand in Sofia

    Am 1. und 2. Juni 1951 kommt es rund um die Stadt Sliven zu Gefechten zwischen etwa 100 „Gorjani“ und Truppen der Polizei und des Geheimdienstes. Die „Gorjani“ (Waldmenschen) gibt es seit 1944. Als Reaktion auf die kommunistische Machtergreifung gehen hunderte Menschen in die Berge und Wälder. Aus der anfänglichen Fluchtbewegung entwickelt sich 1946/47 eine bewaffnete Widerstandsgruppe, die einzelne Dörfer und sogar kurzzeitig die Donaustadt Russe erobert. Ihr sollen 2.000 Menschen angehören, darunter ehemalige Politiker, Anarchisten, alte Offiziere und auch einige Kommunisten, die den stalinistischen Terror verurteilen. Ein eigener Radiosender versucht die zersplitterte Gruppe zu koordinieren. Erst 1956 gelingt es dem Regime, die Widerstandsgruppe vollends zu vernichten. Die Konsequenzen sind Ermordung, Verhaftung, Sippenhaft.
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    1954 Regierung Tscherwenkow

    Die Machtbasis des Autokraten Tscherwenkow innerhalb der kommunistischen Partei schwindet nach Stalins Tod. Ähnlich der Praxis in der Sowjetunion schlägt er auf dem 6. Parteitag im März 1954 eine kollektive Führung vor.
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    1958 Der große Sprung

    Im Juni 1958 nimmt der sowjetische Staats- und Parteichef Chruschtschow den Parteitag in Sofia zum Anlass, um mit Tito im benachbarten Jugoslawien abzurechnen. Er bezichtigt ihn erneut des „Revisionismus“, weil er die Führungsrolle der Sowjetunion nicht anerkennt. Da alle „Bruderparteien“ anwesend sind, gibt Chruschtschow gleich für alle die neue politische Richtung vor.
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    1962 Schiwkow kommt an die Macht

    Im November 1962 findet der 8. Parteitag der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP) statt. Auf diesem entmachtet Todor Schiwkow den bisherigen Regierungschef Anton Yukov und wird neben der Funktion des Parteichefs auch Vorsitzender des Ministerrates. Damit hat er in Bulgarien die Alleinherrschaft.
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    1965 Umsturzpläne und Liberalisierung

    Ähnlich wie in den anderen Ostblockstaaten stößt die bulgarische Wirtschaft zu Beginn der 1960er Jahre an die Grenzen des extensiven Wachstums. Und ähnlich wie bei den Nachbarn wird mit Wirtschaftsreformen „experimentiert“. Im Jahr 1964 entsteht das „Neue System der wirtschaftlichen Planung und Steuerung“. Es weist viele Ähnlichkeiten mit den Reformprogrammen in anderen Ostblock-Ländern auf. Den Betrieben wird mehr Eigenverantwortung übertragen.
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    1968 Prager Frühling

    Wie die anderen Staatschefs des Ostblocks befürchtet auch Schiwkow ein Überschwappen der Liberalisierung und interveniert bei Breschnew. Er fordert den militärischen Einmarsch in die ČSSR. Bereits am 26. März 1968 verabschiedete das Politbüro einen Beschluss, wonach Meldungen aus der ČSSR einer strengen Zensur unterworfen werden sollten. Einen Monat vor dem Einmarsch in die ČSSR wird auf dem Juli-Plenum (24.-26.7.) der BKP der bulgarische Reformkurs offiziell gestoppt. Es hat sich auch in Bulgarien erwiesen, dass eine tiefgreifende wirtschaftliche Neuorientierung ohne Veränderung der politischen Ordnung nicht möglich ist. Neben diesen strukturellen Problemen ist die Strahlkraft des „Prager Frühlings“ für den Abbruch der wirtschaftlichen Reformen in Bulgarien verantwortlich. Bulgarien marschiert mit zwei motorisierten Regimentern in einer Stärke von 2164 Soldaten und 26 Panzern in die ČSSR ein.
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    1971 Neue Verfassung

    Am 18. Mai 1971 tritt eine neue bulgarische Verfassung per „Volksentscheid“ in Kraft, die sogenannte „Schiwkow-Verfassung“. In Artikel 1 wird die führende Rolle der kommunistischen Partei festgeschrieben. Weiterhin wird das bis dahin oberste legislative Organ, das Präsidium der Volksversammlung, durch einen Staatsrat ersetzt. Da dieses legislative und exekutive Funktionen übernimmt, schwindet die Bedeutung der Regierung. Zum Vorsitzenden des Staatsrates läßt sich Todor Schiwkow wählen, der das Amt des Regierungschefs an Stanko Todorov abgibt.
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    1975 KSZE

    Mit der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki im Sommer 1975 versuchen erstmals die Staaten West- und Osteuropas unter Einbeziehung der USA und Kanada die Entspannung in Europa durch multilaterale Zusammenarbeit zu sichern. Bis auf Albanien unterschreiben alle sozialistischen Länder Europas am 1. August die Schlussakte von Helsinki. Es werden Leitlinien zur Verbesserung der sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und humanitären Beziehungen aufgestellt. (Quelle: net-film) So verpflichten sich die Unterzeichner u.a. zur Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten. Dieser Passus bildet die Grundlage osteuropäischer Menschenrechtsgruppen, die nun die jeweiligen Regime in die Pflicht nehmen. Die Nachfolgekonferenzen des KSZE-Prozesses liefern Ende der 1980er Jahre wichtige Impulse für bulgarische Menschenrechtskativisten.
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    1978 Deklaration 78

    Im Juli 1978 erhalten westliche Zeitungen und Radiostationen Kopien eines Dokumentes, genannt die „Deklaration 78“. Eine anonyme Gruppe von Dissidenten aus Bulgarien, die sich „ARD“ nennt, erhebt sechs Forderungen zur Verbesserung der Situation in ihrem Land. In dem Manifest fordern sie das Ende der Menschenrechtsverletzungen, Religionsfreiheit, Abschaffung der Pressezensur, freie Gewerkschaften und das Recht auf Auswanderung. Exil-Bulgaren, die das Schiwkow-Regime öffentlich kritisieren, müssen den „langen Arm“ des bulgarischen Geheimdienstes („Derschwawna Segurnost“) fürchten. Kidnappte man diese Menschen bisher in den Exilländern, um ihnen in Bulgarien den Prozess zu machen, so mordet der Geheimdienst mit technischer Unterstützung des sowjetischen KGB nun im Ausland. Berühmtestes Beispiel ist das Attentat auf den Schriftsteller Georgi Markov.
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    1984 Bulgarisierung

    Am 19. Juni 1984 trifft die bulgarische Parteiführung den Beschluss, die türkische Minderheit im Land gewaltsam zu „bulgarisieren“. Türkisch klingende Namen in den Personalausweisen werden slawisiert, der Gebrauch der türkischen Sprache in der Öffentlichkeit verboten, zahlreiche Moscheen geschlossen, religiöse Bräuche verboten. Auf den Friedhöfen werden selbst die Namen der Verstorbenen auf den Grabsteinen geändert. Für die Umsetzung des Parteibeschlusses besetzen bewaffnete Polizisten die Dörfer und zwingen die Menschen zum Rathaus, wo ihnen die neuen Ausweise ausgehändigt werden. Die Auswahl der Namen erfolgt wahllos. Aus dem slawisierten Vornamen des Vaters wird der neue Nachname gebildet. Da es für viele türkische Vornamen keine Entsprechung gibt, passiert es leicht, dass in unterschiedlichen Dörfern lebende Familienmitglieder unterschiedliche Nachnamen erhalten. In einem Dorf wird aus Mehmet „Milan“ in einem anderen „Martin“. Entsprechend ergibt sich für den Nachnamen der verwandten Kinder dann „Milanov/a“ oder „Martinov/a“.
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    1986 Naim Suleimanow

    Die westliche Öffentlichkeit nimmt von der Zwangsbulgarisierung kaum Notiz, bis die Maßnahmen durch international bekannte Sportler publik werden. Der bekannteste ist der Gewichtheber Naim Suleimanow.
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    1989 Opposition

    Bulgarische oppositionelle Bewegungen sind in den 1980er Jahren sehr schwach. Die Situation ist nicht vergleichbar mit der in den anderen mittelosteuropäischen Ländern. Mit einem Anteil von mehr als 10% Parteimitgliedern an der Gesamtbevölkerung (DDR: 13,5%) hat die kommunistische Partei einen großen Einfluss. Erst in den Jahren 1988/89 gründen sich verschiedene informelle Organisationen, denen es vorrangig um die Erneuerung der Gesellschaft geht. Konflikte mit dem System ergeben sich oft über Umweltprobleme.
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