Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wird die Sowjetunion zur Großmacht. Ostmitteleuropa, große Teile Südosteuropas und auch ein Teil Deutschlands gehören zu ihrem Machtbereich. In allen diesen Staaten und Gebieten etabliert die Sowjetregierung innerhalb von etwa drei Jahren Satellitenregime nach ihrem Vorbild.
In Ostdeutschland ist sie mit Hilfe loyaler Institutionen mehrere Jahre die Ordnungsmacht. Die Präsenz des sowjetischen Militärs verdeutlicht tagtäglich die Abhängigkeit der DDR vom „Großen Bruder“. Diese Abhängigkeit wird mit der sowjetischen Reformpolitik Mitte der 1980er Jahre zur Hoffnung für das eigene Leben. Doch die Staats- und Parteiführung in der DDR verweigert sich den Zeichen der Zeit. Jetzt postuliert die SED die staatliche Souveränität gegenüber der Sowjetunion. Ungewollt befördert sie damit einen sich immer stärker artikulierenden Protest.

 

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    1945 Nachkriegsordnung

    Geschätzte 27 Millionen sowjetische Bürger sterben während des Zweiten Weltkrieg. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik erreicht nach dem Überfall auf die Sowjetunion ihren Höhepunkt. Die Wehrmacht und die NS-Mordkommandos hinterlassen unermessliches Leid. Im „Großen Vaterländischen Krieg“ rückt der Vielvölkerstaat UdSSR zusammen. Der Sieg über Deutschland wirkt identitätsstiftend und erhöht das Selbstwertgefühl. Die bettelarme Sowjetunion steht auf einer Stufe mit den Industrieländern des Westens und wird die internationale Entwicklung maßgeblich prägen. Die großen „Drei“ schachern um Einflusssphären und Kriegspfründe. Die Landkarte Mittelosteuropas bekommt ein neues Gesicht - Staatsgrenzen werden neu gezogen, Deutschland geteilt. Es ist der Beginn der Großmachtpolitik und die Entstehung der politischen Blöcke, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen. Erst die Überwindung des Systems von Jalta ermöglicht in den 1990er Jahren die Chance für eine gesamteuropäische Einheit.
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    1948 Säuberungen

    Der „großen Säuberung“ der Jahre 1936 bis 1938 folgt nach dem Krieg eine neue Welle politischer Verfolgungen durch Stalin. Die Gründung des Staates Israel 1948 und dessen Anlehnung an die USA als Schutzmacht machen nun vor allem die Juden zu einem potentiellen Sicherheitsrisiko. Per se würden sie die USA im Kampf gegen die kommunistischen Regime unterstützen. Diesen neuen Antisemitismus übernehmen auch die Satellitenstaaten.
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    1949 Atombombenstrategie

    Am 29. August testet die UdSSR ihre erste Kernwaffe. Als „Vater der sowjetischen Atombombe“ gilt der Physiker Igor Kurtschatow (1902-1960). Das Land ist damit nach den USA die zweite Atommacht. Der Wettlauf um Rüstung und Nachrüstung erreicht in der Folge eine Dimension, die die gesamte Menschheit gefährdet. Ziel der Rüstungsspirale ist die militärische Abschreckung des jeweiligen politischen Gegners. Es manifestiert sich der Irrglaube, dass nur ein militärisches „Gleichgewicht“ den Frieden auf der Welt erhalten kann. Diese Doktrin bestimmt die folgenden Jahrzehnte.
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    1953 Stalinkult

    Die absolute Macht geht vom Staatsoberhaupt Josef Wissarionowitsch – Generalissimo – Stalin aus. Besonders nach der Etablierung der Sowjetunion als Großmacht nach dem II. Weltkrieg entwickelt sich ein extremer Personenkult, der von den sozialistischen Volksdemokratien übernommen wird. Die Glorifizierung Stalins grenzt an pseudoreligiöse Verehrung.
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    1956 Ende des Stalinkult

    Vom 14. bis 25. Februar 1956 findet in Moskau der 20. Parteitag der KPdSU statt. Doch erst Chruschtschows geheime Rede am letzen Tag macht den Parteikongress brisant. In einer geschlossenen Sitzung rechnet er zum Entsetzen und Erstaunen der Zuhörer mit der Glorifizierung der Person Stalins ab. Unter dem Titel „Über den Personenkult und seine Folgen“ prangert Chruschtschow nicht Stalins Politik an, sondern nur deren extreme Mittel zur Durchsetzung.
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    1959 Berlinfrage und Raketenstationierung

    In zwei Sitzungsrunden (11.5.-20.6.1959 und 13.7.-5.8.1959) versuchen die Alliierten, die Deutschland- und insbesondere die Berlinfrage zu lösen. Erstmals sitzen auch Vertreter beider deutscher Staaten als Beobachter mit am Tisch. Dem vorausgegangen ist ein Ultimatum Chruschtschows, wonach Gesamtberlin eine freie entmilitarisierte Stadt (Aufhebung des Vier-Mächte-Status) sein solle. Anderenfalls würde man der DDR die Hoheit über die Zufahrtswege überlassen und ihr einseitig die Souveränität zugestehen. Ziel Chruschtschows ist es, die paradoxe Situation der westlichen Enklave (Westberlin) im sowjetischen Einflussbereich, zu seinen Gunsten zu lösen. Einigen kann man sich nicht. Der amerikanische Plan, Friedensverhandlungen erst mit einem auf der Grundlage freier Wahlen geeinten Deutschland aufzunehmen, scheitert an den sowjetischen Vorstellungen eines sozialistischen Gesamtdeutschlands. So unüberbrückbar die Differenzen sind, allein die in Aussicht gestellte Gesprächsbereitschaft verhindert zunächst militärische Konsequenzen.
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    1961 Wettlauf ins All, Mauerbau und Kuba-Krise

    Das Wettrüsten im „Kalten Krieg“ schließt seit den 1950er Jahren das Weltall mit ein. Trägerraketen, die Material ins Weltall befördern können, sind potentiell auch mit Atomsprengköpfen bestückbar.
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    1964 Machtwechsel in Moskau

    Am 14. Oktober 1964 muss Chruschtschow auf Druck seines einstigen Günstlings Leonid Breschnew zurücktreten - offiziell auf eigenen Wunsch ob seines hohen Alters (70 Jahre) und Gesundheitszustands. Chruschtschows oft eigenmächtige Politik verprellt die Funktionäre, indem er z.B. altgediente „Kader“ entließ. Seine versprochenen Reformen in der Industrie und Landwirtschaft greifen nicht. Sein Zerwürfnis mit China spaltet die kommunistische Weltbewegung. Schließlich führt seine Unberechenbarkeit der Entscheidungen zu einer Verschwörung in der Parteispitze.
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    1967 Kritische Stimmen in Russland

    Die Sowjetunion und mit ihr der sozialistische Ostblock feiern den 50. Jahresstag der Oktoberrevolution und sehen darin die Menschenrechte verwirklicht. Doch die kritischen Stimmen sind nicht mehr zu überhören …
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    1968 Breschnew-Doktrin und Niederschlagung des "Prager Frühlings"

    Unter dem Kommando der Sowjetunion beteiligen sich am 21. August 1968 fünf Armeen des Warschauer Pakts an der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ in der ČSSR. Sie zerschlagen damit die Hoffnungen nach einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ und der Reformierbarkeit des Systems generell. Dieses Ereignis zeigt, dass der Sozialismus sowjetischen Typs in stalinistischen Denk- und Machtstrukturen verhaftet bleibt.
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    1975 KSZE

    Mit der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki im Sommer 1975 versuchen erstmals die Staaten West- und Osteuropas unter Einbeziehung der USA und Kanada die Entspannung in Europa durch multilaterale Zusammenarbeit zu sichern. Bis auf Albanien unterschreiben alle sozialistischen Länder Europas am 1. August die Schlussakte von Helsinki. Es werden Leitlinien zur Verbesserung der sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und humanitären Beziehungen aufgestellt. So verpflichten sich die Unterzeichner u.a. zur Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten. Dieser Passus bildet die Grundlage osteuropäischer Menschenrechtsgruppen, die nun die jeweiligen Regime in die Pflicht nehmen.
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    1976 Gefangenenaustausch

    Wladimir Bukovski und Luis Corvalan
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    1979 Afghanistan-Krieg und Andrej Sacharow

    Im Jahr 1979 greift die Breschnew-Doktrin nach 1968 in der ČSSR ein zweites Mal. Am 25./26. Dezember 1979 marschieren sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Im Jahr zuvor hat sich die kommunistische „Demokratische Volkspartei Afghanistans“ an die Macht geputscht. In die Auseinandersetzungen über die Ausrichtung der Politik greift die Sowjetunion ein. Sie versichert zwar nach der „Wiedererstellung der öffentlichen Ordnung“ abzuziehen, doch es beginnt eine 10-jähriger Besatzungszeit bis 1989.
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    1980 Olympische Spiele im Ostblock

    Vom 19. Juli bis zum 3. August 1980 findet in Moskau zum ersten Mal die Olympiade in einem Ostblock-Land statt. Die XXII. Olympischen Sommerspiele sollen zum Schaufenster des Sozialismus werden. Alle müssen mit anpacken. So muss sich die DDR an der Fleischversorgung beteiligen, was zu Engpässen für die eigene Bevölkerung führt.
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    1982 Ergastrasse

    Die DDR übernimmt den Bau dreier Abschnitte der Erdgastrasse in der Sowjetunion, die von Westsibirien nach Westeuropa führen soll. Für die Erfüllung des Staatsvertrages geht die DDR an die Grenzen ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit, denn Ausrüstung und Material müssen zum großen Teil gegen Devisen im westlichen Ausland gekauft und mit großem logistischen Aufwand in die Sowjetunion gebracht werden. Als die Erdgastrasse 1993 fertig wird, gibt es die DDR seit drei Jahren nicht mehr. Bereits von 1974 bis 1978 wurde die sogenannte „Druschba–Trasse“ (Freundschaft) von Westsibirien bis in die Ukraine gebaut. Hintergrund war der Vertrag über Erdgaslieferungen, den die Sowjetunion im Februar 1970 mit der Bundesrepublik geschlossen hatte. Der Sowjetunion fehlten allerdings die Ressourcen, um die Exporte zu gewährleisten. So mussten die Länder des RGW mit anpacken und erhielten als Gegenleistung Erdgas zu Sonderkonditionen. Den Ländern Bulgarien, ČSSR, Polen, Ungarn und der DDR wird jeweils ein Bauabschnitt von 550 Kilometern Länge zugewiesen, den sie bauen und finanzieren müssen.
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    1985 Glasnost und Perestroika

    Am 11. März 1985 wird Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der kommunistischen Partei gewählt. Das internationale Wettrüsten, die wirtschaftliche Stagnation und hohe Kriegskosten in Afghanistan bewirken nahezu den Staatsbankrott, dem Gorbatschow mit einem politischen Kurswechsel entgegenzuwirken versucht. Auf dem 27. Parteitag der KPdSU im Februar 1986 werden die Beschlüsse zum Umbau der sowjetischen Gesellschaft gefasst. Die beiden Schlagworte „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Umstrukturierung) gehen um die Welt als Inbegriff einer Demokratisierung im Ostblock.
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    1986 Tschernobyl

    Am Morgen des 26. April 1986 explodiert Block 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl (Ukraine) und löst eine nukleare Katastrophe aus. Aufgrund der Wetterlage breitet sich die radioaktive Wolke über halb Europa aus. Damit bleibt die Katastrophe keine rein sowjetische Angelegenheit mehr. Die Regierung spielt die Gefahren in der Öffentlichkeit herunter und verurteilt zunächst die „sensationslüsterne Berichterstattung“ des Westens. Gorbatschow selbst meldet sich erst 19 Tage nach der Havarie, am 14. Mai, zu Wort. Angesichts dieser Informationspolitik kommen erste Zweifel an der Glaubwürdigkeit der angekündigten neuen Glasnost-Politik auf.
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    1989 Nationale Souveränität

    Im Juli 1989 findet ein Gipfeltreffen der Mitgliedsstaaten des Warschauer Pakts in Bukarest statt. Zum Abschluss wird am 8. Juli eine Erklärung veröffentlicht, die ausdrücklich das Recht eines jeden Mitgliedslandes anerkennt, selbst über seine ökonomische, gesellschaftspolitische und staatliche Ordnung zu bestimmen. Jede Einmischung von Seiten eines anderen Landes (auch Bündnispartner!) wird als unzulässig verurteilt. Dies ist die Abkehr von der Breschnew-Doktrin, die die Zugehörigkeit zum Warschauer Pakt mit der Einschränkung der Souveränität der einzelnen Länder verband.
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    1990-91 Demonstrationen und Machtübernahme in Moskau

    Auf die traditionelle Parteidemonstration zu Ehren der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917“ mischen sich Gegendemonstranten und fordern Freiheit. Zum neuen Hoffnungsträger wird Gorbatschows Gegenspieler Boris Jelzin. Er gilt als „Radikalreformer“. Seine Machtbasis hat er in Moskau. Nach und nach wird im Zuge der Politik Gorbatschows die wirtschaftliche und politische Krise immer deutlicher spürbar, der Machtverlust der Kommunistischen Partei immer größer. Bereits im Dezember 1989 fordert Andrej Sacharow vor dem Volksdeputierten-Kongress die Aufgabe des Machtmonopols der KPdSU.
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