Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Im Schatten des Kalten Krieges etabliert der rumänische Diktator Nikolae Ceauşescu ein System der Selbstherrlichkeit und Unterdrückung. Ceauşescus Politik blendet „Freund“ und „Feind“. Seine liberale Haltung zum „Prager Frühling“ 1968 verschafft ihm zunächst einen innen- und außenpolitischen Bonus. Der Westen unterstützt Rumänien in der Annahme, das sowjetische Imperium dadurch zu schwächen. Man negiert lange die unmenschlichen Verhältnisse in Rumänien.

Das Land liegt innerhalb der kleinen bereisbaren Welt der DDR. Offizielle Nachrichten werden damit überprüfbar. Es entwickelt sich eine Solidaritätsbewegung für das geschundene rumänische Volk. Die demonstrativ zur Schau getragene politische und moralische Phalanx zwischen Honecker und Ceauşescu erregt vielfältigen Protest und erweitert das oppositionelle Spektrum in der DDR.

 

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    1944 Kriegsende

    Dem Kriegsende in Rumänien vorausgegangen war der Sturz des faschistischen Machthabers Ion Antonescu am 23. August. Der Militärdiktator hatte sich 1940 mit Rumänien an die Seite Nazi-Deutschlands gestellt und marschierte mit der Wehrmacht im Juni 1941 in die Sowjetunion ein. Unter seinem Befehl wurden 300.000 Juden und 20.000 Roma ermordet. Antonescu wird in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1946 erschossen. Am 30. August marschiert die Rote Armee in Bukarest ein. König Michael I. setzt eine neue Regierung ein, die aus den vier Vertretern des „Nationaldemokratischen Blocks“ besteht: der Bauernpartei (PNT), den Nationalliberalen (PNL), den Sozialdemokraten und den Kommunisten (PCR). Auf Druck der Sowjets beginnen erste personelle Veränderungen in der politischen Führung.
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    1948 Repression und Enteignung

    Nachdem der König Michael I. abdanken musste (1947), der „Nationaldemokratische Block“ aufgelöst wurde und es zur Vereinigung von Sozialdemokraten und Kommunisten zur „Partidul Muncitoresc Român“ (PMR, Rumänische Arbeiterpartei) kam, ist das Parlament überwiegend kommunistisch dominiert. Gheorghe Gheorghiu-Dej ist seit 1945 mit Billigung Moskaus Chef der kommunistischen Partei PCR und Wirtschaftsminister. Bis zu seinem Tod 1965 ist er der unbestrittene Führer der rumänischen Kommunisten. Im April wird eine Verfassung verabschiedet und die „volksdemokratische Republik“ ausgerufen. Es kommt zur Verstaatlichung der Industrie, nachdem bereits 1945 eine Bodenreform unter Groza durchgeführt wurde, bei der Land über 50 Hektar sowie sämtlicher Besitz der deutschen Minderheit enteignet wurde.
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    1951 Zwangsumsiedlung

    Im Rahmen der größten Deportation in der Geschichte Rumäniens werden über 40.000 Menschen aus dem Westen des Landes in die Bărăgan-Ebene im Südosten Rumäniens verschleppt. Es handelt sich neben Rumänen meist um Angehörige ethnischer Minderheiten: Deutsche, Bulgaren, Ungarn, Serben, Arumänen (vom Balkan geflüchtete Menschen rumänischer Herkunft) und Juden. Auf freiem Feld ausgesetzt, werden sie sich selbst überlassen. In der Folgezeit entstehen 18 Siedlungen aus primitivsten Baumaterialien (Erde, Schilf, Stroh). Die Verbannung dauert bis 1956.
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    1956 Reaktion auf Ereignisse in Ungarn

    Am 23. Oktober beginnt der Volksaufstand im Nachbarland Ungarn. Drei Tage später überschreiten die in Rumänien stationierten sowjetischen Truppen als erste die ungarische Grenze, um dort die Präsenz der Sowjetunion zu stärken. Die Ereignisse in Ungarn greifen auf Rumänien über, wo als ethnische Minderheit viele Ungarn leben (Banat). Es kommt am 30./31. Oktober zu Solidaritätsbekundungen mit dem Nachbarland. Parolen wie „Hände weg von Ungarn“ werden skandiert. In erster Linie sind es Studenten aus Cluj und Timişoara, die protestieren. Ihr Protest zielt auf die Zustände im eigenen Land. Neben sozialen Forderungen soll auch das sowjetische Militär das Land verlassen. Auf Weisung Chruschtschows wird der ungarische Ministerpräsident und Hoffnungsträger Imre Nagy nach Bukarest gebracht und inhaftiert. Ceauşescu leitet die Aktion.
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    1965 Wahl Ceauşescus zum Parteichef

    Schon drei Tage nach dem Tod des bisherigen Staats- und Parteichefs Gherghe Gheorghiu-Dej wird Nicolae Ceauşescu am 22. März zu seinem Nachfolger gewählt. Als reine Formsache bestätigt ein Parteitag im Juli Ceauşescus Wahl zum Parteichef. Mit ihm kommt der jüngste KP-Chef im ganzen Ostblock an die Macht. Nach und nach verjüngt sich die gesamte Nomenklatura und Ceauşescus wird von der Bevölkerung zunächst als ein Hoffnungsträger gesehen.
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    1966 Kinder auf Dekret

    Ein soziales Experiment ohne Gleichen beginnt im Oktober 1966 mit dem Dekret 770. Ceauşescu legt ein umfangreiches Programm zur Vermehrung der Bevölkerung auf. Über ein omnipräsentes Netz der staatlichen Kinderbetreuung (Kindergärten, Schule, Sportvereine) soll der sozialistische Mensch „entstehen“, der kein Bewusstseins für das historische Rumänien entwickelt. Es wächst eine Generation heran, die auf Befehl geboren wurde. Sie heißt „decretei“ (Kinder des Dekrets). Die Konsequenz ist ein Abtreibungsverbot für Frauen unter 42 Jahren mit weniger als 4 Kindern, Einführung von Mutterkreuzen und Steuererleichterungen ab 5 Kinder - im Gegenzug Strafsteuern für Kinderlose. Schwangerschaftsverhütung ist zwar nicht ungesetzlich, jedoch inoffiziell verboten. Etwa 11.000 Frauen sterben durch unsachgemäß vorgenommene Abtreibungsversuche oder es werden Kinder mit Missbildungen und Behinderungen geboren. Diese Kinder kommen in vielen Fällen in das berüchtigte Kinderheim von Cighid, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen „verwahrt“ werden und ihr Tod durch Vernachlässigung einkalkuliert ist.
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    1968 Rumänischer Nationalkommunismus

    In der Nacht vom 20. auf den 21. August marschieren Truppen des Warschauer Paktes unter der Führung der sowjetischen Armee in Prag ein. Rumänien, 1955 Gründungsmitglied des Militärbündnisses, verweigert die Gefolgschaft bei der Zerschlagung des „Prager Frühlings“. Das militärische Eingreifen Moskaus in Prag verstärkt die Angst der rumänischen Bevölkerung, selbst Ziel eines derartigen Militärschlages zu werden. Entgegen aller Realität schürt Ceauşescu die Invasionsgefahr und versichert sich damit der Solidarität des Volkes.
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    1971 Elena Ceauşescu

    Das Jahr 1971 bedeutet einen tiefen Einschnitt für die rumänische Gesellschaft. Im Schatten des innen- und außenpolitischen Bonus festigt Ceauşescu gnadenlos seine Macht und errichtet eine Familienherrschaft.
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    1974 Systematisierungsprogramm

    Die zuvor gelockerte Isolation dem Ausland gegenüber wird wieder verschärft. Die Bewegungsfreiheit von Ausländern in Rumänien wird stark eingeschränkt. Rumänische Staatsbürger müssen jeden Kontakt mit Ausländern der Polizei melden und es herrscht ein strenges Verbot für Privatpersonen, Devisen zu besitzen. Von weitreichender Bedeutung ist das bereits 1972 beschlossene „Systematisierungsprogramm“, das die Zerstörung kleinerer Dörfer und Ortschaften und die Umsiedlung ihrer Bewohner in „agro-industrielle“ Zentren vorsieht. Jetzt, 1974, wird dieser Plan per Gesetz bestätigt. Betroffen sind nicht nur Dörfer. Auch in den Städten werden die alten Strukturen zerstört, um sie durch neue sozialistische Wohnviertel zu ersetzen. Von den 13.000 Dörfern Rumäniens sollen 5.000 bis 7.000 verschwinden. Die Zerstörung sozialer Strukturen und die Konzentration der Bevölkerung in Wohnzentren ermöglicht auch eine effektivere Kontrolle für die Securitate.
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    1975 Weltpolitik und Aktionsgruppe Banat

    Am 1. August unterzeichnet Rumänien die Schlussakte von Helsinki und verpflichtet sich u.a., die Menschenrechte einzuhalten. Ungeachtet der sich verschärfenden Situation in Rumänien wird Ceauşescu von der westlichen Welt hofiert: Eheleute Ceauşescu wird während eines Staatsbesuches von Bundespräsident Gustav Heinemann in Rumänien Ceauşescu die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für ausländische Regierungschefs, die „Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, verliehen. Am 8. Dezember 1972 tritt Rumänien dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank bei.Am 8. Dezember 1972 tritt Rumänien dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank bei. August 1975 besucht der amerikanische Präsident Gerald Ford Ceauşescu. Die USA nimmt Rumänien in den Kreis derjenigen Länder auf, die mit Sonderkonditionen ihre Waren in die USA exportieren können. Im krassen Gegensatz dazu steht die innenpolitische Autokratie. Im Herbst 1975 wird eine Gruppe junger Literaten, die „Arbeitsgruppe Banat“, von der Staatssicherheit Securitate zerschlagen. Ähnlich wie in anderen Ostblockstaaten fanden sich im Zuge der „68er-Bewegung“ junge Menschen zusammen, die ihre Wirklichkeit mit anderen Augen sehen als das politische Establishment. 1972 gründete sich in Temeswar die „Aktionsgruppe Banat“.
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    1977 Erdbeben, Demonstrationen und Zensur

    Die Rumänische Zensur verweigert 1971 die Veröffentlichung des Romans „Ostinato“ von Paul Goma (Jg. 1935). Daraufhin erscheint das Buch in Westdeutschland und Paul Goma wird eines der Hauptobjekte des Geheimdienstes. Spätestens mit seiner Solidaritätserklärung für die „Charta 77“ in der ČSSR wird er zum Dissidenten. Goma appellierte außerdem in einem offenen Brief an die Teilnehmer-Staaten der KSZE-Nachfolgekonferenz von Oktober 1977 bis März 1978 in Belgrad und forderte die Einhaltung der Menschenrechte in Rumänien ein. Den Brief unterschreiben 200 Personen. Die meisten von ihnen wollen dadurch ihren „Rauswurf“ aus Rumänien provozieren. Im Schiltal im Südwesten des Landes (valea Jiului) kommt es im August zu einem Aufruhr der Bergarbeiter. 35.000 versammeln sich in Lupeni, um gegen ein Gesetz zu protestieren, dass ihre Altersversorgung einschränkt. Sie nehmen die als Verhandlungspartner geschickten Parteifunktionäre als Geiseln.
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    1979 Propaganda und Wirklichkeit

    Die soziale und wirtschaftliche Situation der Menschen wird immer katastrophaler, die Arbeitsbedingungen immer schlechter. Proportional dazu steigt die allgegenwärtige Kontrolle durch Partei und Securitate. Im Januar 1979 gründen 15 Arbeiter des Donau-Hafens in Drobeta Turnu Severin und der Arzt Ionel Cana eine „Freie Gewerkschaft der Arbeiter Rumäniens“ – SLOMR (Sindicatul Liber al Oamenilor Muncii din România). Gefordert wird ein offener Dialog mit den staatlichen Stellen. Schon bald zählt die Bewegung ca. 2.400 Arbeiter. Unterstützt werden sie u.a. von Paul Goma aus dem französischen Exil. Die offizielle Gründungserklärung wird am 4. März 1979 über Radio Free Europa veröffentlicht. Verhaftungen, systematische Schikane, Einweisungen in psychiatrische Anstalten folgen. Im April protestieren SLOMR-Mitglieder in einem offenen Brief an Ceauşescu. Doch bereits im Juni 1979 wird die Gewerkschaft durch die gleichzeitige Verhaftung hunderter Mitglieder zerschlagen. Im Gegensatz dazu zeichnet die Propaganda permanent das Bild der „Industrienation Rumänien“.
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    1981 Anschläge des Securitate

    Am 21. Februar 1981 wird im Auftrag des rumänischen Geheimdienstes Securitate ein Sprengstoffanschlag auf den Radiosender „Radio Free Europe“ (RFE) in München verübt. Ziel ist die rumänische Redaktion. Getroffen wird allerdings durch ein Versehen die tschechische. Es gibt mehrere Schwerverletzte. Zu den hauptamtlichen Agenten kommt eine große Masse von Zuträgern. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 1:50 ist. Die Securitate untersteht der direkten Kontrolle durch die Familie Ceauşescu.
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    1984 Olympische Spiele

    Trotz der innenpolitischen Zustände wird Ceauşescu von westlichen Politikern unterstützt. Durch seinen scheinbar kritischen Kurs gegenüber der Sowjetunion bleibt er für den Westen interessant. Rumänien ist das einzige sozialistische Land, das die Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 nicht boykottiert– trotz mehrerer Intervention des sowjetischen Botschafters in Bukarest. Zum „Dank“ bekommt Rumänien finanzielle Unterstützung und erhält die Übertragungsrechte für die Olympiade geschenkt. Rumänien gewinnt nach den USA die meisten Medaillen.
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    1987 Aufstand in Brasov

    Die auf dem Rücken der Bevölkerung vollzogene Entschuldung des Landes seit 1982 führt zu katastrophalen Lebensverhältnissen. Am 15. November kommt es im Zusammenhang mit der Kommunalwahl in Kronstadt (Braşov) zu einem Aufstand von ca. 20.000 Arbeitern. Die sozialen Proteste schlagen schnell in eine politische Revolte um. Das Rathaus und die Parteibüros werden besetzt und geplündert und auf dem Marktplatz Parteiunterlagen, Propagandamaterial und Ceauşescu-Porträts verbrannt. Erst am Abend kann Polizei und Armee die Revolte stoppen. 300 bis 400 Menschen werden verhaftet, verurteilt oder zwangsumgesiedelt.
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    1988 Proteste gegen Ceauşescu

    Die Luft für Ceauşescu wird immer dünner. Nachdem die westlichen Staaten ihn ignorieren, bleiben ihm nur noch die „alten“ Verbündeten. Mit demonstrativen Solidaritätsbekundungen stützt man sich gegenseitig in der Wahrnehmung der Wirklichkeit. So wird Ceauşescu anlässlich seines 70. Geburtstages im Januar 1988 die höchste Auszeichnung der DDR verliehen, der Karl-Marx-Orden. Im Frühjahr 1988 nennt Ceauşescu erstmals konkrete Zahlen seines „Systematisierungsprogramms“. Demnach sollen bis zum Jahr 2000 die Hälfte aller ca. 13.000 Dörfer beseitigt sein. Es kommt zu Protesten aus ganz Europa. Im Juni demonstrierten 40.000 Menschen in Budapest und solidarisieren sich mit der ungarischen Minderheit in Rumänien.
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    1989 Ende der Ära Ceauşescu

    Der Diktator verkennt den Ernst der Lage und reist noch wenige Tage vor seiner Entmachtung nach Istanbul. Der Geheimdienst bleibt bis zuletzt loyal gegenüber Ceauşescu.
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