Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Der „Prager Frühling“ ist über die Ländergrenzen hinaus zum Synonym für gesellschaftlichen Fortschritt und Zivilcourage geworden. Im internationalen Kontext stellen die Ereignisse in der ČSSR ebenso wie die zeitgleichen "68er"-Jugendrevolten in der westlichen Welt den Status quo des Kalten Krieges in Frage. Der Begriff „Prager Frühling“ impliziert aber gleichermaßen Wut über die militärische Invasion durch die fünf „befreundeten“ sozialistischen Armeen. Es bleibt das Bewusstsein, dass der Staatssozialismus nicht reformierbar ist. Nach dieser großen Enttäuschung macht sich jahrelange Resignation im Nachbarland breit.
Aus der Erfahrung von 1968 entstehen durch die tschechoslowakische Opposition (Charta 77) in den 1980er Jahren wichtige Impulse für eine europäische Einheit. Im Zentrum steht das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Explizit wird dabei die deutsche Teilung angesprochen als Kulminationspunkt der europäischen Teilung. Innerhalb der europäischen Diskussion wird damit ein Tabu gebrochen.

 

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    1945 Einmarsch der Roten Armee

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    1948 Wahlen und Machtergreifung der Kommunisten

    Bereits bei den Wahlen am 26. Mai 1946 wurde die Kommunistische Partei (KPČ) mit ca. 40% stärkste Kraft im Parlament und der Kommunist Klement Gottwald Ministerpräsident. Im Laufe des Jahres 1947 beklagten Vertreter der anderen Parteien in der „Nationalen Front“ die immer größeren Eigenmächtigkeiten der KPČ. So wurden massiv eigene Leute in den Sicherheitsapparat integriert und nichtkommunistische Politiker aus der slowakischen Landesregierung gedrängt.
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    1950 Kirchenkampf

    u einem Kirchenkampf der besonders schweren Art setzt die KPČ an. Bereits 1949 werden verschiedene administrative Maßnahmen beschlossen, die die Rolle der katholischen Kirche im bürgerlichen Leben einschränken und ihre Freiheit erheblich begrenzen. So erfolgen die Einsetzung und die Besoldung der Pfarrer nunmehr staatlicherseits. Die Führung der Geburts- und Sterberegister wird an staatliche Stellen gegeben und die allein rechtsgültige Ziviltrauung vor den Behörden verpflichtend. Gottwald will die Gründung einer „Nationalkirche“. Mit der ins Leben gerufenen „Katholischen Aktion“ befördert man die Loslösung vom Vatikan. Papst Pius XII. reagiert mit einem Dekret, das Katholiken jegliche Zusammenarbeit mit den Kommunisten verbietet.
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    1952 Slansky-Prozess

    Eine Kontinuität der kommunistischen Machtkonsolidierung in Mittel-Osteuropa bilden Schauprozesse mit vorgefertigten Todesurteilen. Nachdem die tschechoslowakischen Kommunisten gegen die Vertreter anderer Parteien vorgegangen waren, kommt es Anfang der 1950er Jahre auch zu „Säuberungen“ innerhalb der eigenen Partei. Prominente Opfer sind z.B. Rudolf Slánský, 1945-1951 Generalsekretär der KPČ und Gustáv Husák, der spätere Staatspräsident der ČSSR, der wegen „bourgeoisem Nationalismus“ 1951 verhaftet und 1954 zu lebenslanger Haft verurteilt aber später rehabilitiert wird. Am 24. November 1951 wird Slánský verhaftet. Nach einem halben Jahr Haft und zahllosen Verhören gibt Slánský jeden Widerstand auf und bekennt sich zu den unglaublichsten Anschuldigungen, eine „trotzkistisch-titoistisch-zionistische Verschwörung“ geplant zu haben. Der von Stalin diktierte Zeitgeist, der Wandlung eines traditionellen Antisemitismus in Antizionismus, fördert den Verschwörungsmythos. Jeder Jude ist ein potentieller „prozionistischer“ Agent, der den „israelischen Großkapitalisten“ in die Hände spielt.
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    1953 Tod Gottwalds und Protestwelle

    Am 14. März stirbt Klement Gottwald an einer Lungenentzündung. Makaberer weise hat er sich diese auf der gigantischen Trauerfeier nach Stalins Tod am 5. März eine Woche zuvor in Moskau geholt. Für Gottwald wird in das nationale Befreiungsdenkmal auf dem Prager Veitsberg ein Mausoleum integriert. Die Einbalsamierung seiner Leiche nach sowjetischem Vorbild misslingt allerdings, so dass die Mumie zerfällt und schließlich 1962 verbrannt wird. Die Urne wird im Mausoleum beigesetzt.
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    1955 Stalindenkmal

    Am 1. Mai wird in Prag eine milliardenschwere Investruine feierlich eröffnet. Nach über fünf Jahren Bauzeit wird die weltgrößte Darstellung Stalins auf dem Prager Letná über der Moldau enthüllt. Das 17.000 Tonnen wiegende Monument stellt zu diesem Zeitpunkt, zwei Jahre nach Stalins Tod, bereits einen Anachronismus dar. Kurz nach der Fertigstellung beginnt die Entstalinisierung durch Chruschtschow. Schon während der Bauzeit ist die 15 Meter hohe Stalin-Figur mit den dahinter arrangierten Figuren Zielscheibe des Spottes der Prager Bürger.
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    1960 Neue Verfassung

    Am 11. Juli 1960 wird eine neue Verfassung erlassen und der bisherige Name Tschechoslowakische Republik (ČSR) in Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR) geändert. Die neue Verfassung schränkt die Slowakei in ihrer bis dato bestehenden Selbstverwaltung durch den slowakischen Nationalrat erheblich ein. Dieser muss seine Kompetenzen nach Prag abgeben. Auch die Beschlüsse der Slowakischen Kommunistischen Partei müssen erst durch die KPČ genehmigt werden.
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    1963 Vorsichtige Entstalinisierung

    Horst Sindermann – Kandidat des Politbüros der SED: „Es besteht ein Zusammenhang mit Auffassungen, die von Prag aus zu uns drängen und revisionistischen Theorien in der DDR.“ [Ausschnitte aus Sindermanns Rede auf dem 5. Plenum der SED vom Februar 1964] Quelle: Neues Deutschland, 13.2.1964 Was ist passiert? Anfang der 1960er Jahre entsteht ein intellektuelles Klima, in dem eine kritische Auseinandersetzung mit dem Sozialismus stellvertretend in Kunst und Kultur stattfindet. Für die Tschechen und Slowaken ist die „späte“ Sprengung des Stalin-Denkmals im Jahr zuvor ein Symbol: Mit dem Diktator fällt die dogmatische Nachkriegsvergangenheit.
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    1967 Visafreier Personenverkehr

    Im Zuge der Wirtschaftsreformen werden ab 1. Januar schrittweise die Preise freigegeben. Wirtschaftslenker Ota Šik spricht von einer „sozialistischen Marktwirtschaft“. Mit der Bundesrepublik kommt es zu einem Abkommen über Handelsvertretungen und Wirtschaftsbeziehungen.
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    1968 Prager Frühling

    Das seit 1946 stattfindende Musikfest „Prager Frühling“ wird zum Namensgeber des liberalen Kurses in der ČSSR. Das international angelegte Fest klassischer Musik bemüht sich von Anfang an um Weltoffenheit. Spätestens seit 1964 verkörpert es unmittelbar einen Aufbruch und Neuanfang, denn jetzt ist auch kulturpolitischer Raum für neue tschechische Musik. Seit 1963 verwenden westliche Medien den Begriff im doppelten Sinne und beziehen sich dabei auf die neuen kulturpolitischen Impulse durch die Kafka-Konferenz 1963, die ebenfalls im Frühjahr stattfand.
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    1969 Jan Palach

    Am 16. Januar 1969 verbrennt sich der Student Jan Palach auf dem Prager Wenzelsplatz selbst. Er will damit seinen Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings zum Ausdruck bringen. Am 19. Januar erliegt Jan Palach seinen schweren Verbrennungen. 200.000 Menschen versammeln sich auf dem Wenzelsplatz. Seine Kommilitonen benennen den Platz vor dem Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität von „Platz der Roten Armee“ in „Jan-Palach-Platz“ um. Am 24. Januar wird er unter landesweiter Anteilnahme bestattet. Das Begräbnis wird durch die feierliche Aufbahrung in der Prager Universität zu Füßen einer Statue von Jan Hus zu einer Massendemonstration an der sich 10.000 Menschen beteiligten.
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    1975 KSZE

    Mit der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki im Sommer 1975 versuchen erstmals die Staaten West- und Osteuropas unter Einbeziehung der USA und Kanada die Entspannung in Europa durch multilaterale Zusammenarbeit zu sichern. Bis auf Albanien unterschreiben alle sozialistischen Länder Europas am 1. August die Schlussakte von Helsinki. Es werden Leitlinien zur Verbesserung der sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und humanitären Beziehungen aufgestellt. So verpflichten sich die Unterzeichner u.a. zur Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten. Dieser Passus bildet die Grundlage osteuropäischer Menschenrechtsgruppen, die nun die jeweiligen Regime in die Pflicht nehmen.
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    1977 Charta 77

    Am 1. Januar 1977 erscheint eine von 243 Menschen unterschriebene Erklärung gegen die Menschenrechtsverletzungen in der ČSSR, die sogenannte „CHARTA 77“. Darin wird der Widerspruch zwischen den Deklarationen des Staates zum Thema „Grundrechte“ und der Realität angeprangert. Die Unterdrückungsmechanismen in der ČSSR seien dabei institutionalisiert. CHARTA 77 versteht sich als „…eine freie, informelle und offene Gemeinschaft von Menschen verschiedener Überzeugungen, verschiedener Religionen und verschiedener Berufe, verbunden durch den Willen, sich einzeln und gemeinsam für die Respektierung der Bürger- und Menschenrechte in unserem Land und in der Welt einzusetzen.“
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    1985 Christliche Wallfahrt

    An den St. Cyrill- und Methodius-Feierlichkeiten 6. - 7. Juli 1985 im mährischen Velehrad nehmen zur Überraschung und zum Unbehagen des Regimes 200.000 Gläubige teil. Das Regime versucht, die christliche Wallfahrt in ihrem Sinne zu beeinflussen. Als der Kulturminister Klusák die Menge zum „Friedensfest“ begrüßt, wird er von den Gläubigen ausgelacht und ausgepfiffen. In Sprechchören riefen die Teilnehmer nach Religionsfreiheit, dem Papst und der Kirche. Der Prager Erzbischof Tomásek hatte anlässlich des 1.100. Todestages des Heiligen Methodius auch Papst Johannes Paul II. eingeladen – die Einladung unterschrieben 18.000 Menschen. Das Ereignis in Velehrad löst in einer Kettenreaktion einen verstärkten Zustrom zu christlichen Pilgerfahrten in Böhmen und Mähren aus. Es trägt dazu bei, die bürgerliche mit der kirchlichen Opposition zu verbinden und bringt Tschechen und Slowaken einander näher.
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    1987 Gorbatschow in Prag

    Michael Gorbatschow kommt im April 1987 zu einem Staatsbesuch nach Prag. Schon im Vorfeld sind Karikaturen der Staatsführung an Häuserwänden aufgetaucht, deren Texte besagen „Sie alle hätten was von Mischa verdient!“ Gorbatschow wird von den Menschen bejubelt und gefeiert, wie es angesichts der Ereignisse von 1968 für ein sowjetisches Staatsoberhaupt niemand für möglich gehalten hätte. Gorbatschow spricht in Prag vom „gesamteuropäischem Haus“ und dem „neuen Denken“. Er kündigt dabei tiefgreifende Veränderungen in der sozialistischen Welt an. Diese neuen Worte bleiben für die KPČ-Führung „böhmische Dörfer“ oder wie die Tschechen sagen würden „spanische Dörfer“.
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    1988 Repression

    Im gesellschaftlichen Bewusstsein der Tschechen und Slowaken spielen alle auf eine „8“ endenden Jahre eine besondere Rolle und man erhofft sich demzufolge von 1988 Veränderungen. Erstmals seit 20 Jahren würdigt das kommunistische Regime den tschechoslowakischen Unabhängigkeitstag. Die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Staatsgründung der ČSR am 28. Oktober sind ein vorsichtiges Zugeständnis gegenüber der allgemeinen Unzufriedenheit. Ein generelles Umdenken in der Führungsspitze findet jedoch nicht statt. Im Gegenteil: Eine Demonstration mit 5.000 Teilnehmern wird von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Bereits im Vorfeld des Nationalfeiertages waren über 100 Personen verhaftet worden, darunter zahlreiche Mitglieder der Charta 77.
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    1989 Repression und Samtene Revolution

    Anfang Januar 1989 kündigen fünf unabhängige Bürgerinitiativen, darunter die Charta 77, für den 15. Januar eine Gedenkveranstaltung auf dem Prager Wenzelsplatz an. Vor 20 Jahren, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, hatte sich der Student Jan Palach in einem Akt der politischen Verzweiflung selbst verbrannt. Die Staatsmacht ist gewarnt und reagiert: Die Polizei versucht mit 2.000 Einsatzkräften schon in den frühen Morgenstunden des 15. Januar, die angekündigte Gedenkveranstaltung zu verhindern. Der Wenzelsplatz wird abgeriegelt und Mitglieder der veranstaltenden Bürgerinitiativen verhaftet.
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