Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Seit Vereinsgründung sammelt das Archiv die hinterlassenen Selbstzeugnisse der DDR-Opposition, der Bürgerbewegung und der in den Jahren 1989/90 entstandenen Initiativen und Parteien, um diese zu sichern, dauerhaft aufzubewahren, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Archiv hat bereits mehrere tausend Aktentitel archiviert und erschlossen, mit denen die erste Artikulierung des politischen Protestes, Ursachen und Verlauf der Friedlichen Revolution und das Entstehen demokratischer Strukturen umfassend belegt werden. Mit der Sammlung des entsprechenden Schrift-, Bild- und Tongutes strebt das Archiv die Bildung möglichst vollständiger Überlieferungen zu Einzelpersonen und Gruppen der DDR-Opposition, zu Bürgerbewegungen und zu den im Herbst 1989 neu entstandenen Parteien und Initiativen an.

Der Archivbestand umfasst zurzeit ca. 220 lfm Archivgut. Weiterhin verfügt das Archiv über größere Bestände an Samisdatschriften, Zeitungen und Zeitschriften, Zeitungsausschnitten sowie Video- und Tonkassetten und über 2.500 Bücher und Schriften von Aufarbeitungsinitiativen. Die Fotosammlung ist in den letzten Jahren auf ca. 15.000 Fotos angewachsen.

Die Fotosammlung des Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. (ABL) umfasst mehr als 15.000 Fotos von annähernd 30 Fotografen. Sie wird fortlaufend erweitert. Sammlungsschwerpunkte des ABL sind die hinterlassenen Selbstzeugnisse der DDR-Opposition, der Bürgerbewegung und der in den Jahren 1989/90 entstandenen Initiativen und Parteien, vorrangig aus dem ehemaligen Bezirk Leipzig, aber auch darüber hinaus. Daraus resultiert auch das inhaltliche Spektrum der erschlossenen und für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellten Fotosammlung des Archivs.

Bilddokumente von der Beatdemo 1965, der Niederschlagung des Prager Frühling oder der Subkultur in der DDR (beispielsweise der Beatband "The Butlers" aus dem Jahr 1964 oder Punker in den späten 1980er Jahren) sind nur vereinzelt zu finden. Bedeutend mehr Fotos gibt es von illegalen Demonstrationen und Veranstaltungen aus den 1980er Jahren, den Friedensgebeten in der Nikolaikirche, den Solidaritätsaktionen für die politischen Gefangenen, aber auch den Akteuren des Herbstes 1989 wie Christoph Wonneberger, Christian Führer, Friedrich Magirius, Uwe Schwabe, Jochen Lässig, Rainer Müller, Michael Arnold oder Gesine Oltmanns. Die Fotos der Montagsdemonstrationen dokumentieren den zunehmenden Mut und die vielfältigen Forderungen der Menschen. Mit den steigenden Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen und Protestaktionen verschwand die Angst davor, diese Aktionen zu fotografieren und zu dokumentieren. Öffentlichkeit wurde geschaffen. Somit verdeutlicht die Vielzahl der heute im Archiv vorhandenen Fotos, wenn auch indirekt, die wachsenden Handlungsräume der Menschen zum Ende der DDR. Auch für die ab Sommer 1989 neu entstandenen demokratischen Gruppierungen und Parteien (wie Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, DSU, SDP (später: SPD)) finden sich zahlreiche Bilddokumente in der Sammlung des ABL. Dokumentarische Fotos über die Umweltverschmutzung im Leipziger Südraum und die dagegen organisierten Proteste (Pleißegedenkumzüge, Umweltgottesdienste) sowie Leipziger Haus- und Stadtansichten, die vom Verfall der Messestadt in den späten 1980er Jahren zeugen oder Aufnahmen vom Alltag der Menschen in der DDR sind weitere Themen, die innerhalb der Recherchen und Fotonutzung besonders häufig nachgefragt werden.

Die Einsicht in den Fotobestand ist für jeden Interessierten kostenlos. Für die kommerzielle Nachnutzung und Veröffentlichung einzelner Bilder werden Gebühren erhoben.

Fotobestand Bernd Heinze

In den Jahren 2014 und 2016 hat das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. eine umfangreiche Fotosammlung des Fotografen Bernd Heinze übernommen. Sie umfasst ca. 5000 Originalabzüge und dokumentiert u.a. den städtebaulichen Verfall und die katastrophale Umweltsituation im Bezirk Leipzig in den späten 1980er Jahren, die Friedliche Revolution sowie den daraus resultierenden gesellschaftlichen und politischen Wandel in der DDR und dem wiedervereinten Deutschland bis 1991. Eine detaillierte Bestandsübersicht sowie biografische Informationen zum Fotografen erhalten Sie hier.

Fotobestand Mahmoud Dabdoub

Seit 2014 wurden im ABL tausende Aufnahmen des Fotografen Mahmoud Dabdoub archivarisch erschlossen. Diese Fotos umfassen den Zeitraum zwischen 1982 und 1995. Sie dokumentieren den Alltag in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen die „kleinen Leute“ mit ihren Bemühungen, sich selbst zu behaupten. Dabdoubs Bilder loten Handlungsspielräume in der SED-Diktatur aus und dokumentieren den gesellschaftlichen Wandel und politischen Neuanfang ab 1990. Eine detaillierte Bestandsübersicht sowie biografische Informationen zum Fotografen erhalten Sie hier.

 

Beide Fotobestände wurden – finanziert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – digitalisiert, erschlossen und verzeichnet. Sie stehen nun der interessierten Öffentlichkeit zur Ansicht und Nutzung zur Verfügung.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig sammelt, bewahrt und erschließt seit 1991 Unterlagen, Fotos und Dokumente, die sich mit Opposition und Widerstand, speziell im ehemaligen Bezirk Leipzig, befassen. Die am häufigsten genutzten Bestandsgruppen 01. (Ereignisse) und 02. (Leipziger Oppositionsgruppen) dokumentieren den Zeitraum von 1982 - mit dem Anfang der Friedensgebete in der Nikolaikirche - bis Ende 1989/Frühjahr 1990. Sie enthalten viele einmalige Originale, die durch häufige Nutzung sehr stark abgegriffen sind. Zudem sind und werden Dokumente (gesamt oder in Teilen) immer schwieriger lesbar aufgrund der verblassenden DDR-Farbe, qualitativ minderwertigem Ormigpapier, holzschliffhaltigem Papier sowie extrem dünnen Durchschlagpapier u.v.a.m. Einige Dokumente mussten abgeschrieben werden.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützte 2016 die Digitalisierung von rund 3.000 Dokumenten, um die von Zerfall bedrohten Originale dauerhaft zu sichern und der Nutzung zugänglich zu machen. Die digitalisierten Unterlagen können aus datenschutzrechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht eingesehen werden. Eine Bestandsbeschreibung mit ausgewählten Dokumenten können Sie sich hier ansehen bzw. herunterladen. Nach Voranmeldung ist eine Recherche und die Einsichtnahme in die Archivalien im Archiv Bürgerbewegung Leipzig zu den Öffnungszeiten möglich.

Abb. links:  A-4-Plakat aus Anlass des Pleiße-Pilgerweges am 4. Juni 1989 (doku 01.019.004.) - Der so genannte 2. Pleißemarsch sollte auf die extreme Umweltverschmutzung in Leipzig, speziell auf den katastrophalen Zustand des Flusses "Pleiße" aufmerksam machen.

Quelle: ABL: Bestandsgruppe 01. -  Ereignisse - doku 01.019. - Pleißepilgerweg in Leipzig am 4.6.1989

Der Bestand "Neues Forum Leipzig" im Archiv Bürgerbewegung Leipzig umfasst insgesamt ca. 4.500 Dokumente und stellt aufgrund seiner historischen Einmaligkeit einen besonderen Schatz dar. Dieser Bestand wurde im Jahr 2017 mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur digitalisiert sowie zahlreiche vorhandene Einträge wurden im Archivprogramm AUGIAS ergänzt und aktualisiert.

Das Neue Forum (NF), im September 1989 gegründet, mobilisierte mit seinem Aufruf zum demokratischen Dialog in der DDR viele Menschen. Der Protest auf den Straßen, die Montagsdemonstrationen, an denen sich immer mehr Menschen beteiligten, aber auch viele Veranstaltungen im Herbst 1989 wurden erheblich durch das Neue Forum getragen. Der Bestand bildet diese Ereignisse ab und umfasst Schreiben sowohl aus den Anfangsjahren von der Gründung 1989 bis hin zum Wahlbündnis "Bündnis 90" und auch noch darüberhinaus (1991/1992). Sie sind ein einmaliges Zeugnis dieser Zeit und beschreiben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen eine Gesellschaft eine demokratische Erneuerung suchte. Nähere Informationen und eine Übersicht des Bestandes "Neues Forum Leipzig" finden Sie hier.