Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Ende 2014 wurde die persönliche Sammlung von Ingolf Sonntag, einem Gründungsmitglied der DSU, an das Archiv Bürgerbewegung e.V. übergeben. Sie umfasst die Zeit vom Herbst 1989, dokumentiert die Gründung der Partei DSU im Januar 1990 in Leipzig und deren Entwicklung bis zum Jahr 1997. Aber auch Unterlagen anderer politischer Gruppierungen und Parteien sowie Publikationen unterschiedlichster Art sind enthalten. Im Jahr 2016 konnte dieser Bestand mit Mitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung erschlossen werden und steht jetzt der Öffentlichkeit zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Eine detaillierte Bestandsübersicht erhalten Sie hier.

Abb.: Konvolut zur DSU aus dem Bestand "Personenbezogene Sammlungen 050.", der Bestandsgruppe "I. Sonntag / DSU 50.002."

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig sammelt, bewahrt und erschließt seit 1991 Unterlagen, Fotos und Dokumente, die sich mit Opposition und Widerstand, speziell im ehemaligen Bezirk Leipzig, befassen. Die am häufigsten genutzten Bestandsgruppen 01. (Ereignisse) und 02. (Leipziger Oppositionsgruppen) dokumentieren den Zeitraum von 1982 - mit dem Anfang der Friedensgebete in der Nikolaikirche - bis Ende 1989/Frühjahr 1990. Sie enthalten viele einmalige Originale, die durch häufige Nutzung sehr stark abgegriffen sind. Zudem sind und werden Dokumente (gesamt oder in Teilen) immer schwieriger lesbar aufgrund der verblassenden DDR-Farbe, qualitativ minderwertigem Ormigpapier, holzschliffhaltigem Papier sowie extrem dünnen Durchschlagpapier u.v.a.m. Einige Dokumente mussten abgeschrieben werden.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützte 2016 die Digitalisierung von rund 3.000 Dokumenten, um die von Zerfall bedrohten Originale dauerhaft zu sichern und der Nutzung zugänglich zu machen. Die digitalisierten Unterlagen können aus datenschutzrechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht eingesehen werden. Eine Bestandsbeschreibung mit ausgewählten Dokumenten können Sie sich hier ansehen bzw. herunterladen. Nach Voranmeldung ist eine Recherche und die Einsichtnahme in die Archivalien im Archiv Bürgerbewegung Leipzig zu den Öffnungszeiten möglich.

Abb. links:  A-4-Plakat aus Anlass des Pleiße-Pilgerweges am 4. Juni 1989 (doku 01.019.004.) - Der so genannte 2. Pleißemarsch sollte auf die extreme Umweltverschmutzung in Leipzig, speziell auf den katastrophalen Zustand des Flusses "Pleiße" aufmerksam machen.

Quelle: ABL: Bestandsgruppe 01. -  Ereignisse - doku 01.019. - Pleißepilgerweg in Leipzig am 4.6.1989

In den letzten Jahren wurden diverse Materialien zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zur Aufbewahrung und Nutzung an das Archiv Bürgerbewegung Leipzig übergeben. In einem ersten Schritt wurde 2016 zunächst der Bestand „Initiative 9. Oktober“ archivwissenschaftlich erschlossen, bestandssichernd aufbewahrt und für die Nutzung aufbereitet.

Der Initiative "9. Oktober" gehören vor allem Leipziger Bürger, Organisationen, Institutionen, Museen und andere Einrichtungen an, welche alle einen direkten Bezug zum Herbst 1989 haben. Inhaltlicher Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Leipziger Erinnerungskultur im Kontext der Friedlichen Revolution. Momentan ist sie die bestimmende Kraft für ein lebendiges Erinnern an 1989/90. Zentrales Datum ist dabei der 9. Oktober 1989, der so genannte „Tag der Entscheidung“. Seit 2007 gedenken Leipziger Bürger an diesem Datum mit einem Lichtfest der Friedlichen Revolution.

Die lose Blattsammlung umfasst mehr als 4000 Einzeldokumente, die durch annähernd 100 selbständige und unselbständige Veröffentlichungen (wie Pressespiegel, Flyer, Plakate, Faltblätter, Postkarten, Broschüren, Sonderveröffentlichungen usw. zum Thema Friedliche Revolution) ergänzt werden (siehe Foto oben).

Diese Materialien können nur nach vorheriger Anmeldung im Archiv Bürgerbewegung Leipzig eingesehen und für Forschungszwecke nachgenutzt werden.

archiv_160x200Der Archivbestand umfasst zurzeit ca. 220 lfm. Weiterhin verfügt das Archiv über größere Bestände an Samisdat-schriften, Zeitschriften, Zeitungsausschnitten sowie Video- und Tonkassetten und über 2200 Bücher und Schriften von Aufarbeitungsinitiativen.

Die Fotosammlung ist in den letzten Jahren auf über 12.000 Fotos angewachsen.

Seit Vereinsgründung sammelt das Archiv die hinterlassenen Selbstzeugnisse der DDR-Opposition, der Bürgerbewegung und der in den Jahren 1989/90 entstandenen Initiativen und Parteien, um diese zu sichern, dauerhaft aufzubewahren, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Archiv hat bereits mehrere zehntausend Aktentitel archiviert und erschlossen, mit denen die erste Artikulierung des politischen Protestes, Ursachen und Verlauf der Friedlichen Revolution und das Entstehen demokratischer Strukturen umfassend belegt werden.

Mit der Sammlung des entsprechenden Schrift-, Bild- und Tongutes strebt das Archiv die Bildung möglichst vollständiger Überlieferungen zu Einzelpersonen und Gruppen der DDR-Opposition, zu Bürgerbewegungen und zu den im Herbst 1989 neu entstandenen Parteien und Initiativen an.