Die
Wehrdiensttotalverweigerer- und Bausoldatengruppen gelten als älteste
politisch alternative Gruppen in der DDR. (Pollack, Detlef, Politischer
Protest: Poltisch alternative Gruppen in der DDR, Opladen, 2000, S. 66)
Das MfS erfasste beispielsweise 1973/74 Regionalkreise von Bausoldaten in
einer durchschnittlichen Stärke von ca. 15-30 Personen in den Städten
Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Cottbus, Görlitz, Potsdam, Halle,
Rostock, Jena und Berlin. Die Leipziger Regionalgruppe - zur der anfangs
5 Personen zählten - traf sich ab 1968 aller 1 bis 3 Monate vornehmlich
privat in ihren Wohnungen. Ab 1980 versammelten sie sich - in etwas veränderter
personeller Zusammensetzung - regelmäßig einmal im Monat als
"Arbeitsgruppe Friedensdienst" beim Leipziger Jugendpfarramt.
Zu ihren Aktivitäten gehörten die Vorbereitung des Leipziger Zentraltreffens,
die Ausgestaltung von Gemeindeveranstaltungen mit den Themen Wehrdienst
bzw. Wehrdienstverweigerung, die Weitergabe von persönlichen Erfahrungen
und von Informationsschriften (z.B. "ABC des Friedens") und die
Teilnahme an verschiedenen Friedensseminaren in der DDR. Sie setzten sich
weiterhin kritisch mit dem Jugendgesetz, dem Wehrdienstgesetz von 1982 (Wehrdienst
für Frauen), der vormilitärischen Ausbildung und vieles mehr auseinander.
Die "Arbeitsgruppe Friedensdienst", in deren Kern immer noch die
ehemaligen Bausoldaten vertreten waren, gliederte sich Ende der 1980er Jahre
dem Ausschuss "Frieden und Gerechtigkeit" der Bezirkssynode Leipzig-Ost
an. Dort waren ab Mitte der 1980er Jahre fast alle Leipziger systemkritischen
Gruppen vertreten. An den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche
beteiligte sich die Gruppe ebenso aktiv.
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